Argentinien |

Ein Jahr der Solidarität

Von Marcela Valente

Buenos Aires (IPS) – Mit einem bemerkenswerten Anstieg der Zahl der freiwilligen Blutspender ist in Argentinien das Jahr zu Ende gegangen, in dem das südamerikanische Land den Sitz des Weltblutspendetags innehatte. Der Sitz geht nun an Südkorea. "Für uns war es sehr wichtig, Sitz zu sein", resümiert Mabel Maschio, Leiterin des Nationalen Blutplans. "Wir konnten Arbeitsteams organisieren und die Zahl der freiwilligen Spender erheblich erhöhen."

Das Gesundheitsministerium hatte den Nationalen Blutsplan vor zehn Jahren entworfen, um von dem in ganz Lateinamerika verbreiteten Blutspendesystem wegzukommen, das den Verwandten von Krankenhauspatienten, die Konserven erhalten haben, Blutspenden zur Wiederauffüllung der Bestände abverlangt.

"Argentinien benötigt jeden Tag 5.000 Blutspenden", erläutert Maschio. "Eine solche Menge ist aber nur verfügbar, wenn es verantwortungsvolle Spender und gut organisierte Blutbanken gibt."

Aus der Not um den Sitz beworben

2002 waren Freiwillige mit einem Spenderanteil von drei Prozent in der absoluten Minderheit. Ab 2007 stagnierte der Prozentsatz bei sechs Prozent, wie die Ärztin berichtet. Das große Blutdefizit veranlasste Argentinien 2010, sich als erstes lateinamerikanisches Land um den Sitz des Weltblutspendetags zu bewerben. Ein solcher Sitz verpflichtet zu ganzjährigen nationalen Aufklärungskampagnen.

Der Weltblutspendetag war 2004 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Einrichtungen wie dem Roten Kreuz und der Internationalen Föderation der Blutspendeorganisationen mit dem Ziel ausgerufen worden, ein Bewusstsein für die Bedeutung von Blutspenden zu schaffen.

Das Jahr des argentinischen Sitzes des Weltblutspendetags ist am 14. Juni zu Ende. Es hat den Anteil der freiwilligen Spender in dem südamerikanischen Land auf 32 Prozent in die Höhe getrieben. Den Erfolg verdankt Argentinien einer Reihe von Maßnahmen wie etwa einer Erhöhung der Zahl der Blutbanken. 2004 besaß das Land nur eine einzige staatliche Blutbank mit Sitz in der östlichen Provinz Buenos Aires. Inzwischen sind 20 der 24 Provinzen mit Blutbanken ausgestattet.

"Die Provinz Jujuy (im Nordwesten Argentiniens) kann mit einem Anteil freiwilliger Spender von 88 Prozent die meisten Erfolge vorweisen", berichtet die Leiterin des Nationalen Blutplans. Dort müssten Verwandte von Krankenhauspatienten auch kein Blut mehr abgeben.

Ruben Bongiovanni spendet regelmäßig Blut. Auslöser war die Leukämieerkrankung seiner Enkelin. Das Mädchen wurde gesund, doch der Großvater machte weiter und ließ sich fortan jeden Monat Blut für andere Patienten abzapfen. "Ich entschloss mich dazu, weil wir alle das Blut von allen brauchen", sagt der Architekt, der zudem Blutspender für den Bluttherapeutischen Dienst des Juan-Garrahan-Kinderkrankenhauses in Buenos Aires anwirbt. An der Klinik werden hochkomplizierte Operationen durchgeführt. Bongiovanni ist zudem Mitglied des Freundeskreises der altruistischen Blutspender, die einen wesentlichen Beitrag zu den wöchentlich 600 Blutspenden leisten.

30 Gewohnheitsspender pro 1.000 Bürger

Die WHO empfiehlt, dass auf 1.000 Einwohner mindestens 35 Gewohnheitsspender kommen sollten. Dank der Kampagne ´Mehr Blut, mehr Leben´ ist Argentinien diesem Ziel mit mehr als 30 Gewohnheitsspendern pro 1.000 näher gekommen. Bis 2015 soll das WHO-Ziel erreicht sein. In diesem Sinne wurde ein Verzeichnis der Gewohnheitsspender angelegt, mit dessen Hilfe die Spender an ihre nächsten Blutabgabetermine erinnert werden. Geplant sind zudem ambulante Dienste, die Spendern die Anreise zur Blutbank ersparen.

Ein Teil des Blutes, das Blutplasma, wird auch in Argentinien zunehmend für die Herstellung von Arzneien verwendet. Am staatlichen Labor für Blutderivate der Nationalen Universität der zentralen Provinz Córdoba werden Medikamente aus Blutplasma zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen und Typ A der Bluterkrankheit Hämophilie hergestellt. In ganz Lateinamerika gibt es nur drei solcher Labore: in Cordoba, auf Kuba und in Venezuela.

Deutsche Bearbeitung: Karina Böckmann, Quelle: IPS