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Dürre: Regierung dementiert Meldungen über Selbstmorde

Der Vorsitzende der mexikanischen Wasserbehörde (CONAGUA), José Luis Luege Tamargo, hat am vergangenen Montag Meldungen dementiert, wonach mehrere Indigene der Rarámuri aus der Sierra Tarahumara im nördlichen Bundesstaat Chihuahua Selbstmord begangen hätten beziehungsweise aus Hunger gestorben seien. Dies sei „falsch“, zitiert die mexikanische Tageszeitung "La Jornada" den Regierungsfunktionär, der Wassermangel bestehe nicht in der Sierra, sondern in anderen Gegenden.

Richtig sei jedoch, dass die Behörden in den 67 Regierungsbezirken von Chihuahua eine extreme Trockenheit festgestellt hätten, so dass die Ausrufung des Notstandes möglich sei. Ähnlich äußerte sich auch die Vorsitzende des Zivilschutzes (SEGOB), Laura Gurza. In Presseberichten war zuvor von zahlreichen Selbstmorden Indigener in der Sierra Tarahumara berichtet worden.

Schlimmste Dürre seit 71 Jahren

Insgesamt sind 19 der 32 mexikanischen Bundesstaaten von der schwersten Dürre seit 71 Jahren betroffen. Besonders schlimm sei die Situation in den Bundesstaaten Coahuila, Zacatecas, Durango y Chihuahua. In 1.213 der insgesamt 2439 Regierungsbezirke des Landes herrsche Trockenheit, der Notstand könne für gegebenenfalls 1.174 Regierungsbezirke ausgerufen werden, so der Leiter der Wasserbehörde. Nach Angaben des Sekretariats für Soziale Entwicklung (SEDESOL) sind vor allem Menschen in abgelegenen Gemeinden des Landes von der Trockenheit gefährdet.

Durch die Umsetzung eines Notfallplans der mexikanischen Regierung werden 2,5 Millionen Menschen mit Trinkwasser versorgt. Insgesamt versprach der Chef der CONAGUA Hilfen in einem Gesamtvolumen von fast 3.5 Mio. Euro für die Betroffenen, rund 145.000 Euro davon sollen nach Chihuahua gehen. Gegenwärtig würden 14.000 Nahrungsmittelpakete in mehr als hundert indigenen Gemeinden in Chihuahua verteilt, erklärte Luege.

Protestmarsch nach Mexiko-Stadt

Die von der Dürre besonders betroffenen Bewohner aus Chihuahua begannen unterdessen am vergangenen Montag einen Protestmarsch nach Mexiko-Stadt. Rund 400 Teilnehmende von Bauernorganisationen und indigenen Vereinigungen fordern bessere staatliche Unterstützung. So seien allein in Chihuahua aufgrund von Dürre und Frost 200.000 Tiere verendet. Rund 250.000 Menschen im Bundesstaat litten Hunger, erklärte Martín Solís von der Organisation „El Barzón“ gegenüber Pressevertretern. Der Protestmarsch wird am kommenden Freitag in der Hauptstadt erwartet. (bh)