Kolumbien |

Die Nummer Eins der FARC ist gefallen

Die Veröffentlichung des Fotos von der Leiche Alfonso Canos soll die letzten Zweifel beseitigen. Doch ohne seinen charakteristischen Bart ist der Anführer der ältesten lateinamerikanischen Guerilla-Organisation FARC kaum noch zu erkennen. "El Tiempo.com veröffentlicht dieses Foto, weil es ein Dokument der Geschichte dieses Landes ist", rechtfertigt die größte Tageszeitung des Landes ihre Vorgehensweise.

Guillermo Saenz, wie der Kommandant der marxistischen Rebellengruppe mit bürgerlichen Namen hieß, galt als ideologischer Kopf der FARC. Im März 2008 kam er offiziell als Nachfolger des verstorbenen FARC-Gründers Manuel Marulanda an die Spitze der 1946 gegründeten "Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens". Den offiziellen Angaben nach starben bei einem Bombardement zunächst die engsten Mitglieder Canos. Anschließend trieben die Soldaten Cano in die Enge und erschossen ihn.

Privater Computer des FARC-Führers sichergestellt

Am Samstagvormittag reiste Staatspräsident Juan Manuel Santos in die Provinz Popayan, wo sich die Leiche Canos in einem Krankenhaus befindet. "Die Nummer eins der FARC ist gefallen", bestätigte Santos den Tod des Staatsfeindes. In die Hände der Militärs fiel zudem der persönliche Computer des FARC-Führers. Davon erhoffen sich die Ermittler zahlreiche Hinweise für die weiteren Verstecke der verbliebenen Führungsriege.

Die kolumbianische Guerilla ist drei Jahre nach dem Tod ihres charismatischen Führers Marulanda nun endgültig führungslos. Die katholische Kirche in Kolumbien hatte in der Vergangenheit immer wieder versucht, die FARC-Rebellen zur Rückkehr an den Verhandlungstisch zu überzeugen. Der emeritierte kolumbianische Kurienkardinal Dario Castrillon Hoyos erklärte im vergangenen Jahr, er habe Cano mehrmals getroffen: "In den Bergen, auf Flughäfen, einmal in Cartagena und einmal in Mexiko. Wir kennen uns, und ich habe sehr deutliche Worte gefunden. Ich kann nicht sagen, dass er nicht auch gute Absichten verfolgt", erklärte der Kardinal.

Schwierigster Moment für FARC

In einer ersten Reaktion riefen prominente kolumbianische Politiker die Rebellen zur Aufgabe des bewaffneten Kampfes gegen den Staat auf. "Dies ist der schwerste Schlag gegen die FARC in der Geschichte", sagte Ex-Präsident Andres Pastrana, der vor gut zehn Jahren die von ihm initiierten Friedensgespräche mit der FARC ergebnislos abbrechen musste. "Es ist der Moment für die Guerilla, den bewaffneten Kampf aufzugeben und zu verhandeln."

Das einflussreiche Nachrichtenmagazin "Semana" versuchte sich in einer ersten Analyse: "Die FARC erlebt ihren schwierigsten Moment. Der militärische Druck bleibt weiter aufrecht, und sie muss schnell einen Nachfolger finden, der in den eigenen Reihen anerkannt und respektiert wird. Der Tod Canos könnte aber auch ein Schritt hin zum Frieden in diesem Land sein."

Die FARC wird von der Europäischen Union und den USA als Terrororganisation eingestuft. Ihren Kampf für einen marxistischen Staat finanzieren die Rebellen mit Einnahmen aus dem Drogen- und Waffenhandel sowie mit Entführungen. Weltweit beachtet wurde 2008 die friedliche Befreiung der ehemaligen Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt, die sechseinhalb Jahre als Geisel im kolumbianischen Dschungel gefangen gehalten wurde. Internationale Organisationen machen die FARC auch für andere schwere Menschenrechtsverletzungen verantwortlich.

Quelle: KNA, Tobias Käufer