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Die Hüter des Regenwaldes

Das indigene Volk der Sarayaku hat den ecuadorianischen Staat vor Gericht gebracht. Anlass ist der Konflikt mit einem argentinischen Erdölunternehmen, welches auf das Gebiet der Indigenen eingedrungen war.

Die Sarayaku hatten das argentinische Erdölunternehmen CGC im Jahr 2004 von ihrem Land vertrieben. Nun klagen die Indigenen den ecuadorianischen Staat wegen Menschenrechtsverletzungen an. Viele der Anwesenden hatten noch nie eine Gerichtsverhandlung verfolgt - schon gar nicht live im Internet. Gedrängt in ein Gemeinschaftshaus, dessen Dach Palmblätter bilden, lauschten die Indigenen Anfang Juli gespannt, was ihre Vertreter vor dem Interamerikanischen Gerichtshof für Menschenrechte in Costa Ricas Hauptstadt San José vortrugen.

Konzern hinterlässt Sprengstoff im Boden

Ecuadors Regierung hatte im Jahr 2002 dem Erdölunternehmen CGC die Genehmigung erteilt, ohne Zustimmung der Sarayaku auf deren Land zu bohren. Ecuadors Militär hatte hierbei sogar Hilfe geleistet. Bis heute befinden sich als Hinterlassenschaft des Konzerns 1,5 Tonnen an vergrabenem Sprengstoff auf dem Gebiet. Die Indigenen riefen das Gericht dazu auf, Ecuadors Regierung dazu zu verpflichten, künftige Bohrungsaktivitäten auf ihrem Land nicht mehr zuzulassen und die Sprengstoffe zu entfernen. Mit einem Urteil wird noch vor Ablauf dieses Jahres gerechnet.

Abgeschiedenheit bietet keinen Schutz mehr

Die meisten der 1.200 Angehörigen der Sarayaku leben von der Landwirtschaft, der Jagd und dem Fischfang, sie versorgen sich selbst. Ihr Gebiet besteht aus 135.000 Hektar unberührtem amazonischem Regenwald und ist nur mit dem Kanu oder Flugzeug zu erreichen. Dies hatte die negativen Auswirkungen des modernen Lebens lange von ihnen ferngehalten. Ein junger Indigener sieht auch im Charakter der Sarayaku, ein „Kriegervolk“, einen wichtigen Grund dafür, dass sie ihre ursprüngliche Lebensweise bislang beibehalten konnten. Erfolgreicher Widerstand hat Tradition: Von den 40er bis zu den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts zwangen die Indigenen Militärs und Vertreter der Kirche zum Verlassen ihres Gebietes. Und 1989 bekam das Erdölunternehmen Arco-Agip das Stehvermögen der Sarayaku zu spüren.

Indigene wurden gegeneinander ausgespielt

Ab 1996 allerdings gerieten die Indigenen zunehmend in Gefahr. Ecuadors Regierung hatte dem argentinischen Erdölunternehmen CGC die Genehmigung zur Erkundung eines Gebietes erteilt. 60% der Fläche bestanden aus Land der Sarayaku. Der Konzern ließ die PR-Maschine anlaufen und startete mit der Strategie „Teile und herrsche!“, indem er die Bevölkerung benachbarter Dörfer in Stellung brachte. In einigen Fällen erfolgreich - die Spaltung verlief sogar durch Familien. Einem Sarayaku zufolge begannen die Männer eher zu zweifeln, während die Frauen kategorisch nein sagten. Sie würden das Erdölunternehmen nicht auf ihr Land lassen.

Im ecuadorianischen Amazonasgebiet hatte es 1967 einen Präzedenzfall gegeben, als der ölkonzern Texaco-Gulf durch seine Aktivitäten dafür sorgte, dass ein See vergiftet wurde. Die Anwohner dort können längst nicht mehr fischen und das Wasser nicht mehr trinken. Das öl klebt an ihren Händen. Abgesandte der Sarayaku machten sich vor Ort kundig, was auch ihnen drohen könnte. Sei das Unternehmen erst einmal eingedrungen, sei es schon zu spät, bekamen sie zu hören.

Neue Lizenzvergaben drohen

2004 zog CGC sich schließlich zurück, nachdem mehrere Gerichtsurteile ergangen waren. Aber die Umweltschäden sind irreparabel. Über Monate fiel die Schule seinerzeit aus, die Felder wurden nicht mehr bestellt. Unter den Indigenen gab es Auseinandersetzungen, die sogar zu Verletzten führten. Der Umweltorganisation Acción Ecológica zufolge droht neue Gefahr: Im Oktober sollen neue Erkundungslizenzen für das ecuadorianische Amazonasgebiet erteilt werden. Hiervon werden nicht nur die Sarayaku betroffen sein.

Quelle: adital, deutsche Bearbeitung: Bernd Stößel