Peru |

Die Droge Gold

In diesen Tagen gingen in Peru die Flitterwochen für den peruanischen Präsidenten Ollanta Humala zu Ende, während im fernen Europa die Panik um den Erhalt des Euros ausgebrochen ist. Beides hängt eng miteinander zusammen.

Zuerst zu Peru: Nachdem der Ende Juli ins Amt gewählte umstrittene Linksnationalist sowohl die Unternehmer wie auch die Indigenas zufriedenzustellen schien, ist der Hausfrieden nun vorbei. Große Teile der ländlichen Bevölkerung in Cajamarca haben tagelang gegen die Durchführung des Projektes protestiert. „Conga“ heißt das Gold-Abbauprojekt im nordperuanischen Departament Cajamarca, das die Gemüter der lokalen Bevölkerung entzündete. Das Projekt der Firma Yanacocha, die in Cajamarca bereits seit 20 Jahren die größte Goldmine Südamerikas betreibt, sieht vor, dass vier Bergseen zugeschüttet und stattdessen künstliche Wasserreservoirs für die Bauern errichtet werden. Die Vorgängerregierung Humalas hatte das Projekt genehmigt, Ollanta Humala hatte sich im Wahlkampf dagegen für die Bauern und Minengegner ausgesprochen. Deswegen war die Überraschung groß, als Humala nun als peruanischer Präsident erklärte, dass „Conga“ durchgeführt würde, und dass es möglich sei, „Wasser und Gold“ gemeinsam zu haben. Diesen Spruch hatte auch die Minenbetreiberfirma Yanacocha schon im Munde geführt – mit wenig Glaubwürdigkeit gegenüber der Bevölkerung.

Perus Gold geht in die Schweiz

Warum sind sich ein linksgerichteter Präsident und ein US-amerikanisches Minenimperium einig, dass ein ökologisch umstrittenes Projekt durchgeführt werden soll ? Weil beide im rekordverdächtig hohen Goldpreis eine Riesenchance sehen: das Unternehmen für seinen Gewinn, der linke Präsident, um mit den Steuereinnahmen seine ehrgeizigen Sozialprogramme finanzieren zu können. Die Nachfrage nach Gold ist weltweit so hoch, dass es dumm wäre – meinen sie - diese Chance nicht zu nutzen und dafür auch einen Verlust an Umweltqualität in Kauf zu nehmen. Die Bauern in Cajamarca sehen das gar nicht so und protestieren auf der Straße.

Das Gold, das in Peru gefördert wird, bleibt nicht in Peru. Es wird exportiert, das meiste Gold geht in die Schweiz. Die kleine Schweiz hat wegen der großen Goldexporte die USA vom zweiten Platz als Exportland für Peru verdrängt. Von dort geht das Gold in die weiteren europäischen Länder.

Die "Droge" Gold ist legal und hoch angesehen

Und damit machen wir einen Sprung zur Euro-Krise in Europa: in jedem Finanz-Ratgeber, jedem Internet-Portal wird Gold als die sichere Reserve in Krisenzeiten angepriesen. Goldhändler berichten, dass ihnen Goldbarren, aber auch Goldanlagen und –zertifikate regelrecht aus der Hand gerissen werden. Der kleine wie große deutsche Sparer glaubt, damit seine Ersparnisse vor einer möglichen Entwertung in Sicherheit bringen zu können. Gold ist schon längst kein Anlagemittel mehr für Millionäre – jede Sparkasse führt inzwischen Goldaktien und Goldmünzen im Angebot.

So wie der Kokaanbau seinen Ursprung in der Nachfrage nach Kokain im Norden hat, so gäbe es auch in Peru und vielen weiteren Ländern keine gewaltsamen Auseinandersetzungen um Bergbauprojekte, wenn es nicht so viele Gold-Konsumenten in Europa gäbe. Der kleine Unterschied: der Konsum von Kokain ist in Europa unter Strafe gestellt, der Kauf von Gold dagegen legal und höchst angesehen.

Schnelles Geld und Schaden für die Umwelt

Dabei ähneln sich die Strukturen im Kokaanbau und im Goldabbau: beide sind nicht ohne schädliche Einflüsse auf die Umwelt zu haben; beide bringen schnelles Geld und damit Ungleichheiten und Zwist in Dörfer und Städte. Wird Gold informell abgebaut, entstehen zudem ähnlich kriminelle Strukturen wie beim Kokainhandel.

Was also kann der deutsche Gold-Abhängige tun? Wenn er es denn nicht schafft, seine Sucht zu kontrollieren und auf´s Gold zu verzichten, dann könnte er wenigstens seinem Bankberater ein paar unbequeme Fragen stellen: zum Beispiel, ob das Gold, das er zu kaufen gedenkt, von einer Mine mit Fair-trade-Siegel stammt, die von legalisierten Kleinbergleuten betrieben werden. Und ob er garantieren könne, dass das Gold nicht informell gefördert worden ist. Schließlich hat der deutsche Konsument beim Kaffee – für einige auch eine Droge – auch gelernt, dass Kaffee nicht gleich Kaffee ist. Warum sollte er dies nicht auch bei der Droge Gold lernen können ?

Übrigens ist das Projekt „Conga“ von der Firma Yanacocha, auf Wunsch der peruanischen Regierung, vorerst gestoppt worden. Mehr dazu finden Sie hier.

Autorin: Hildegard Willer