Haiti |

Deutsche ?„rztin übt herbe Kritik an Hilfsmaünahmen in Haiti


Die Kölner Ärztin Barbara Höfler (71), die seit 10 Jahren Straßenkinder in Port-au-Prince medizinisch versorgt, hat herbe Kritik an den Hilfsmaßnahmen in Haiti geübt. Die Hilfen erfolgten oft zu spät und ohne Rücksprache mit örtlichen Organisationen, sagte Höfler am Donnerstag in Bonn. Auch die Vermittlung von Adoptionen sei in vielen Fällen "Geschäftemacherei". Oft sei fraglich, ob es sich bei den Kindern wirklich um Waisenkinder handele.

Besonders in die Cite Soleil, den größten Slum von Port-au-Prince, wagen sich nach Angaben der 71-Jährigen aus Angst vor lokalen Banden kaum Hilfsorganisationen. Die Ärmsten seien damit von der Nahrungsmittel- und Wasserverteilung ausgeschlossen. Weil staatliche Stellen ihre Arbeit erst ansatzweise wieder aufgenommen hätten, herrsche vielfach ein organisatorisches Chaos. Eingeflogene Ärzte könnten nicht eingesetzt werden, und Hilfsgüter steckten am Flughafen fest.

Die Ärztin, die die Arbeit der Salesianer Don Boscos in der haitianischen Hauptstadt unterstützt, kritisierte zudem das Verhalten mancher Hilfsorganisationen, die ohne Kenntnis von Land und Leuten entschieden, was in Haiti richtig oder falsch sei. Höfler verwies auf die Erfahrung der haitianischen Caritas, die Zweigstellen in allen katholischen Pfarreien des Landes unterhalte und hervorragende Arbeit an der Basis leiste.