Kolumbien |

Demonstrationen für Freilassung der FARC-Geiseln

Hunderttausende Menschen sind in Kolumbien am 6. Dezember trotz teilweise strömenden Regens auf die Straße gegangen, um für den Frieden und die Freilassung der langjährigen Geiseln aus der Gewalt der marxistischen Guerilla-Organisation FARC zu demonstrieren. Seit teilweise über 14 Jahren befinden sich elf Polizisten und Militärangehörige in der Gewalt der Rebellen. Sie werden unter teilweise erbärmlichen Bedingungen im kolumbianischen Dschungel von der Guerilla versteckt gehalten.

"Wir wollen, dass das ein Ende hat", sagt Fernando Rodriguez (23) aus Bogota. "Wir wollen keine FARC mehr. Wir wollen keine Paramilitärs mehr. Wir wollen endlich Frieden." Der Student aus der kolumbianischen Hauptstadt ist mit seinem Anliegen nicht der einzige. Der Zorn der Mehrzahl der Demonstranten richtet sich gegen die FARC, die nach einer fehlgeschlagen Befreiungsaktion der kolumbianischen Armee vier ihrer langjährigen Geiseln regelrecht hinrichtete. Kurz zuvor hatte die Armee den Chef der FARC-Rebellen Alfonso Cano seinerseits bei einer Militäraktion getötet. Die neue Spirale der Gewalt lässt die Gemüter nun hochkochen.

Unter dem Motto „Lasst sie jetzt frei“ versammelten sich am Morgen in allen großen Städten des Landes die Menschen, um in weißen T-Shirts für die Freiheit der Geiseln zu demonstrieren. Viele Angehörige der Geiseln mischten sich in den Demonstrationszug, um an das persönliche Schicksal der Verschleppten zu erinnern. Zahlreiche Menschen hatten zudem Plakate mit einer eindeutigen Botschaft mitgebracht: „Paz“ (Frieden).

Rebellengruppe hat Freilassung von Geiseln angekündigt

Der Tag in Kolumbien zeigte offenbar Wirkung: Die Rebellengruppe kündigte am 6. Dezember an, sechs der elf Langzeitgeiseln in Kürze freizulassen. Wann dies geschehen werde und wer aus der Gruppe der verschleppten Menschen nach über einem Jahrzehnt Geiselhaft endlich wieder zu den Familien zurück kehren darf, teilte die FARC allerdings nicht mit. Die ehemalige Senatorin Piedad Cordoba baten die Rebellen im Freilassungsprozess als Ansprechpartner zu dienen. Cordoba hatte in der Vergangenheit bereits bei anderen Geiselfreilassungen erfolgreich vermittelt. Erst am Wochenende hatte der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos erstmals Verhandlungsbereitschaft signalisiert. Doch bislang scheiterten alle Gesprächsversuche schon im Keim, weil beide Seiten jeweils unannehmbare Vorbedingungen stellten.

Die katholische Kirche Kolumbiens erklärte unterdessen erneut ihre Bereitschaft in dem Konflikt zu vermitteln. Der Generalsekretär der kolumbianischen Bischofskonferenz, Weihbischof Juan Vicente Cordoba, hofft, dass aufgrund der Eskalation und der Toten der letzten Wochen die Bereitschaft zum Dialog bei beiden Parteien endlich erkennbar wird. Die Kirche, so gibt sich Cordoba überzeugt, ist als einzige gesellschaftliche Größe in der Lage wirklich neutral zu vermitteln. Ohne politische und finanzielle Interessen nimmt sie eine unabhängige Position ein. An die Rebellen gerichtet, sagt Cordoba: „Wir laden sie zum Dialog ein. Und der Regierung sagen wir das gleiche: Der Dialog ist die Lösung.“

Autor: Tobias Käufer/Bogota

Demonstration in Bogota gegen die FARC. Foto: Tobias Käufer