Chile |

"€žDas Erdbeben ist eine unterschätzte Katastrophe"€?

Knapp vier Wochen nach dem schweren Erdbeben der Stärke 8,8 in Chile werden die Schäden an der Infrastruktur und die Auswirkungen auf die Entwicklung des Landes deutlich. Das Beben werde das Land mehr als 20 Milliarden Euro kosten und die Wiederaufbaumaßnahmen werden sich mindestens über drei Jahre erstrecken, berichtete Mons. Cristian Precht, Koordinator für den kirchlichen Bereich der Kommission für Wiederaufbau in Chile, bei einem Besuch beim Lateinamerika-Hilfswerkes Adveniat in Deutschland.

Das Beben habe Auswirkungen auf einen Landstrich von 750 Kilometern Länge gehabt. Viele Dörfer und über 70% der kirchlichen Infrastruktur im Einflussgebiet des Bebens seien zerstört. Die Kirche sei besonders in den armen, ländlichen Gebieten aktiv. Dort helfe sie beim materiellen sowie gesellschaftlichen Wiederaufbau und bei der Seelsorge. Neben Kapellen seien Pastoralzentren, katholische Altenheime und Schulen zerstört worden, so Precht.

„Eine Gesellschaft lebt davon, dass die sozialen Grundlagen funktionieren“, so Precht. Nach dem Beben unterstützten sich die Menschen gegenseitig. Viele Jugendliche stünden am nächsten Morgen vor der Pfarrhaustür, um zu helfen, sagte Precht. Die katholische Kirche bemühe sich nun, alle am Wiederaufbau Beteiligten an einen Tisch zu bringen.

Es habe die Situation zusätzlich erschwert, dass das Beben in die Zeit des Regierungswechsels in Chile gefallen sei, erklärt der zuständige Länderreferent bei Adveniat, Reiner Wilhelm. Es sei zu spät für die alte Regierung gewesen, umfassend eingreifen zu können. Die neue Regierung hingegen sei zwar schon aufgestellt, aber nur in den höheren Positionen, noch nicht im operativen Bereich.

Darüber hinaus mache die zeitliche Nähe zu den verheerenden Ereignissen in Haiti das Erdbeben und den darauffolgenden Tsunami zur unterschätzten Katastrophe, so der Chile-Experte. Wilhelm wird Anfang Mai zusammen mit Adveniat-Geschäftsführer Prälat Bernd Klaschka nach Chile reisen, um zusammen mit den Bischöfen der zwölf betroffenen Diözesen weitere Projekte abzustimmen.