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Buenos Aires ist Welthauptstadt des Buches

Mit einer originellen Idee ist es Buenos Aires gelungen, den Titel ´Welthauptstadt des Buches 2011´ zu erringen.

"Dieses Buch ist nicht verloren gegangen. Es hat bloß keinen Besitzer und wurde von der argentinischen Bewegung für kostenlose Bücher hier liegen gelassen, damit du es findest." So lautet die handgeschriebene Botschaft, die in der spanischen Ausgabe von K. Chestertons ´Pater Brown – Das Paradies der Diebe´ steckt, die auf einer Bank auf einem öffentlichen Platz in Buenos Aires zurückgelassen wurde.

Jeder kann bei dieser Bewegung mitmachen, indem er einfach ein Buch im Park am Bahnhof oder auf einem Bussitz zurücklässt. Darin sollte eine Notiz sein, die den Finder auffordert, das Buch zu lesen und es anschließend wieder ´freizulassen´, damit andere darin schmökern können.

Mit dieser Idee ist es Buenos Aires gelungen, den Titel ´Welthauptstadt des Buches 2011´ zu erringen. Verliehen hatte die Auszeichnung die Weltkulturorganisation UNESCO am 23. April, dem ´Welttag des Buches´. Das Ereignis wurde mit einer Zeremonie auf der Internationalen Buchmesse in Buenos Aires gefeiert.

Die kulturelle Großveranstaltung findet dort seit 1975 statt. Mit einer durchschnittlichen Besucherzahl von einer Million Menschen ist die Messe sehr beliebt. Sie gilt als Anziehungspunkt für argentinische und ausländische Autoren. In diesem Jahr wurde sie vom Nobelpreisträger für Literatur 2010, Mario Vargas Llosa, eröffnet.

Lesen als Grundpfeiler der eigenen Identität

Buenos Aires wird den Titel ´Welthauptstadt des Buches´ nun bis 2012 behalten. Während dieser Zeit will die argentinische Metropole Buenos Aires noch mehr Menschen zum Lesen bringen und nach potentiellen Autoren suchen. Außerdem wird die Stadt durch die Auszeichnung zum stolzen Eigentümer einer multilingualen Bibliothek mit 30.000 Werken.

"Der Titel der UNESCO ist eine einzigartige Gelegenheit, die Verlagswelt in dieser Stadt zu fördern und sie der ganzen Welt zu präsentieren", erklärte Jimena Soria vom Kulturministerium in Buenos Aires gegenüber IPS. Sie wird in diesem Jahr alle Aktivitäten koordinieren, die die Stadt als ´Welthauptstadt des Buches´ unternimmt.

Jimena Soria erzählte: "Buenos Aires war und ist eine Stadt der Bücher. Jeder, der hier mit Literatur zu tun hat, von den Buchläden über Verlage, Literaturzeitschriften, Tagesblätter und Büchereien bis hin zu den Lesern und berühmten Autoren, möchte das Lesen zu einem Grundpfeiler unserer Identität machen."

Eine Stadt voller Geheimtipps

In der Stadt gibt es über 200 Buchläden und 70 Bibliotheken. Tatsächlich trifft man an jeder Ecke auf Kioske mit einer riesigen Auswahl an Zeitschriften und auf Geschäfte mit aktuellen oder antiken Büchern. Einige Buchläden sind gleichzeitig Restaurants oder Bars. Sie bieten den Kunden Raum, damit sie in den Waren stöbern können.

Ein ganz besonderer Laden ist das ´La Libre´ im Viertel San Telmo. Dort hat man sich auf Eigenpublikationen und seltene Bücher spezialisiert, die in den kommerziellen Buchläden nicht zu finden sind.

In Buenos Aires ist auch der ´bunteste Verlag der Welt´ beheimatet. Als 2001 die argentinische Wirtschaft zusammenbrach, ging auch dem Underground-Verlag des argentinischen Lyrikers, Washington Cucurto, das Geld aus. Daraufhin gründete er das Kollektiv ´Eloisa Cartonera´ und machte aus der Not eine Tugend.

Im Rahmen des Projekts werden Bücher aus Müll hergestellt, den die Mitarbeiter mit bunter Farbe und Klebstoff in lesbare Kunst verwandeln. Dabei kommen keine teuren Maschinen zum Einsatz. Das Material kauft Cucurto von den ´Cartoneros´, den Müllsammlern der Stadt, die dem Kollektiv seinen Namen gaben.

Seitdem der Verlag 2003 im Migrantenviertel Almagro aufmachte, ist er zum Erfolgskonzept geworden. Namhafte Schriftsteller des Landes reißen sich darum, in den handgemachten Objekten publiziert zu werden.

Nachwuchsförderung und Tourismusboom

In Argentinien gibt es zahlreiche Projekte zur Förderung des Lesens. Unter anderem werden sie von der ´Stiftung Lesen´ und dem Bildungsministerium organisiert. Außerdem gibt es die von dem Schriftsteller Mempo Giardinelli ins Leben gerufene Initiative ´Großmütter lesen vor´. Das preisgekrönte Schulprojekt hat sich längst in ganz Argentinien und von dort bis nach Kolumbien, Ecuador, Guatemala, Mexiko, Peru und Venezuela ausgebreitet.

Die Liebe der Stadt Buenos Aires zu Büchern zieht auch Touristen an. Sie kommen, um auf den Spuren berühmter argentinischer Schriftsteller wie Jorge Luis Borges und Julio Cortázar zu wandeln. Ebenso wollen viele das Haus besichtigen, in dem die legendäre Herausgeberin der Literaturzeitschrift ´Sur´, Victoria Ocampo, ihre Künstlerfreunde aus aller Welt empfing.

Im Jahr 2001 machte die UNESCO Madrid zur ersten ´Welthauptstadt des Buches´ und förderte seither auch in vielen anderen Städten auf diese Weise die Kunst des Lesens.

Marcela Valente in IPS-Weltblick