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Brasilien hinkt im Gesundheitswesen hinterher

Brasilien hinkt hinter vielen afrikanischen Länder her - zumindest was die öffentlichen Ausgaben für das Gesundheitswesen angeht. Einer jetzt von der Weltgesundheitsorganisation vorgelegten Studie zufolge gibt die Regierung nur sechs Prozent ihres Haushaltes für das öffentliche Gesundheitssystem aus. Damit liegt Brasilien deutlich unter dem Durchschnitt der afrikanischen Länder (9,6 Prozent).

Gerade einmal 875 US-Dollar gab die Regierung im Jahre 2008 pro Kopf für Gesundheit aus, dem Jahr auf dem die Statistik beruht. Dies entspricht gerade einmal einem Achtel der 7,164 US-Dollar, die die US-Regierung in ihr Gesundheitswesen pumpt. Und weniger als einem Drittel der japanischen Ausgaben. Das Gesundheitsministerium gestand in einer ersten Stellungnahme ein, dass die öffentlichen Ausgaben lediglich die Hälfte des idealen Wertes ausmachen, so Zeitungsberichte.

Was jedoch den Anteil der gesamten Gesundheitsausgaben am Bruttoinlandsprodukt (BIP) ausmacht, liegt Brasilien mit 8,4 Prozent lediglich knapp unter dem weltweiten Durchschnitt von 8,5 Prozent. Grund hierfür sind die ungewöhnlich hohen privaten Ausgaben für Gesundheit in dem südamerikanischen Land. Immerhin 56% aller Ausgaben wurden 2008 aus den privaten Kassen der Bürger bezahlt. Im Vergleich - in Europa liegt der Durchschnitt der Privatausgaben am Gesundheitssystem bei gerade einmal 23 Prozent. Den Rest übernimmt dort der Staat.

Gleichzeitig geht der Trend zu privaten Krankenversicherungen weiter - trotz der in der Verfassung vorgeschriebenen kostenlosen Versorgungspflicht des Staates gegenüber jedem Bürger. Doch auf das teilweise marode öffentliche Gesundheitssystem wollen sich immer weniger Bürger verlassen und bezahlen stattdessen eine private Vorsorge. So wurden 2008 gut 41 Prozent aller im Gesundheitssektor anfallender Kosten von Privatkrankenkassen bezahlt. Acht Jahre zuvor lag dieser Wert lediglich bei 34 Prozent. (milz)