Honduras |

Bischof Santos will Präsident werden

Nach Fernando Lugo in Paraguay will nun auch ein Bischof in Honduras für die Präsidentschaft seines Landes kandidieren. Er werde nach Rom reisen, um Papst Benedikt XVI um Erlaubnis für seine politische Aktivität zu bitten, teilte der Bischof der Diözese von Copán, Luis Alfonso Santos, am Montag mit. Santos wird bald 75 Jahre alt und müsste dann ohnehin dem Kirchenrecht zufolge sein Amt zur Verfügung stellen. Er ist in seiner Diözese im Grenzgebiet zu Guatemala äußerst beliebt und gilt als progressiv. Sein Einsatz für die Lenca-Indianer und seine Verurteilung des Sturzes von Präsident Manuel Zelaya im Juni 2009 haben ihm den Beinamen „der Rote Bischof“ eingebracht. Santos hatte sich damals offen gegen Kardinal Oscar Andrés Rodríguez Maradiaga gestellt, der den Putsch gerechtfertigt hatte. Santos erklärte, er habe den Kardinal um eine Unterredung gebeten, sei bisher aber nicht empfangen worden.

Der 74-Jährige will bei den Vorwahlen der Liberalen Partei antreten und wird vom linksprogressiven Flügel „28. Juni“ unterstützt. Die Liberale und die Konservative Partei sind die beiden Traditionsparteien, die sich regelmässig an der Spitze des mittelamerikanischen Landes abwechseln. Derzeit regiert mit Porfirio Lobo ein Konservativer. Die nächste Wahl findet 2013 statt, 2012 sind die parteiinternen Vorwahlen geplant.

„Ich glaube, Honduras braucht einen Wandel“, sagte Santos und versprach die Einberufung einer Verfassungsgebenden Versammlung – ein Vorhaben, das damals maßgeblich zum Sturz von Zelaya beigetragen hat, da seine Gegner fürchteten, er wolle damit seine Wiederwahl ermöglichen. Honduras gehört zu den gewalttätigsten und ärmsten Ländern Lateinamerikas. Santos wäre der erste Geistliche, der in Honduras für ein politisches Amt kandidiert. Die traditionellen Parteien in Honduras haben durch Korruption und Vetternwirtschaft Popularität verloren, weshalb politische Beobachter der Kandidatur einer nicht parteipolitisch vorbelasteten Persönlichkeit durchaus Chancen einräumen. Neben Santos hat bereits Zelaya Präsidentschaftsambitionen angemeldet und dafür seine Unterstützerbewegung der Nationalen Widerstandsfront in eine Partei umgewandelt. (saw)