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Bischof Ramazzini über die politische Situation in Guatemala

„Das Entscheidende ist, dass die Menschen den Wunsch nach einem anderen Guatemala verspüren, das sich deutlich vom jetzigen unterscheidet.“ Dies hat Álvaro Ramazzini, Bischof der Diözese San Marcos, im Interview mit dem Nachrichtendienst „Noticias Aliadas“ betont. Nach Auffassung Ramazzinis könnten Veränderungen nur dann erreicht werden, wenn „man die politische Macht erlangt“.
Auch 15 Jahre nach Ende des Bürgerkrieges ist das Leben in Guatemala von Gewalt geprägt. Diese stehe im engen Zusammenhang mit dem Drogenhandel und der Bandenkriminalität, so der Bischof. Als Hauptgrund für die hohe Verbrechensrate führte Ramazzini die Verarmung der Bevölkerung an: „Jüngsten Studien zufolge entfällt der Reichtum Guatemalas auf 56 Familien.“ Doch von der Politik sei kein Ausweg aus der derzeitigen Situation zu erwarten. „Wir haben eine Regierung, die den Klagen der Bevölkerung nicht zuhört“, sagte der Bischof. Daher hätten die Menschen ihren Glauben an das politische System verloren. Um eine wirkliche Veränderung herbeizuführen, sei „eine große soziale Bewegung zu schaffen, die bei den übernächsten Wahlen Präsenz zeigt“, so Ramazzini abschließend.
„Bischof Ramazzini ist ein sozial sehr engagierter Mensch“, sagte Elisabeth Freitag, Adveniat-Referentin für Mittelamerika. Besonders auch in ökologischen Fragen würde er sich durch klare und gesellschaftskritische Worte auszeichnen. „Ramazzini ist mutig, er riskiert etwas“, so Freitag. Aus diesem Grund hätte er in den vergangenen Jahren sogar schon Morddrohungen erhalten. Allerdings lasse er sich nicht entmutigen: „Er ist Sprecher der unterdrückten Menschen und inzwischen über die Grenzen seines Landes hinaus bekannt“, sagte Freitag.
Im Geschäftsjahr 2009/2010 hat Adveniat in Guatemala insgesamt 99 Projekte mit 1,2 Millionen Euro unterstützt. „In der Diözese San Marcos gilt die Förderung primär den Pfarreien“, sagte Freitag. Die Gelder würden vor allem in Infrastrukturmaßnahmen, Bildungszentren und Fahrzeuge fließen. „Eine sehr arme Bevölkerung und die teils extremen Lebensbedingungen im Hochland machen die Diözese zu einer der am meisten geförderten in Mittelamerika“, resümierte Freitag. (tmg)

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