Bolivien |

Bildungsreform vorgestellt

»Nur durch eine bessere Bildung des Volkes kann die Entwicklung der Nation voranschreiten«, erklärte Boliviens Präsident Evo Morales am Mittwoch in La Paz. Auf einer Pressekonferenz in der Präsidentenresidenz hat Morales einen Gesetzesentwurf zur Reform des Bildungssystems vorgestellt. Das »Bildungsgesetz Abelino Siñani - Elizardo Pérez« werde dem Plurinationalen Parlament in den kommenden Wochen zur Debatte vorgelegt, wo die regierende »Bewegung zum Sozialismus« über eine komfortable Zweidrittel-Mehrheit verfügt. Der Reformentwurf sei nach einer langen Beratungszeit und »im Konsens mit Lehrerschaft und Eltern« erarbeitet worden, sagte der anwesende Bildungsminister Roberto Aguilar. Der Ex-Präsident der Verfassungsgebenden Versammlung hob damit das Bemühen um einen Konsens »aller Sektoren« hervor.

Bildung wird als »dekolonisatorisch, befreiend, revolutionär, anti-imperalistisch, anti-patriarchalisch« und »transformatorisch in Bezug auf wirtschaftliche und soziale Strukturen« definiert. Verantwortlich für Sicherung und Qualität des »kostenfreien Systems« seien »Gesellschaft und der Staat«. Zwischen Stadt und Land, privat und staatlich dürfe es keine Unterschiede mehr geben. Ziel der »Bildungsrevolution« sei eine Bildung, die »die soziale Gerechtigkeit und Gleichheit zwischen allen Bolivianern erzieht«, so Morales.

Nach Jahren der Privatisierung und Deregulierung kommt dem Zentralstaat wieder eine lenkende Rolle zu. Die Ausbildung der Lehrer werde komplett unter staatliche Aufsicht kommen. Die Gleichstellung aller Religionen und der »laizistische Charakter« hatte zu Konflikten mit der Katholischen Kirche im mehrheitlich katholischen Andenland geführt. Die »Bildungsbehörden der Departamentos« (SDE) werden wieder unter Aufsicht des Ministeriums in der Hauptstadt gestellt. Die Bildungsreform von 1994 der Regierung von Gonzalo Sánchez de Lozada hatte die SDE nach föderalistischem Vorbild unter Kontrolle der Präfekturen gebracht. (bb)