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"Befriedungseinheiten" gegen die Gewalt in den Favelas

Rio de Janeiros Polizeiführung hat auf die prekäre Sicherheitslage in der Stadt reagiert und in 17 der 21 Polizeibataillone der Stadt die Führungskräfte ausgetauscht. Weitere Umbesetzungen an der Spitze verschiedener Einheiten sollen in den nächsten Tagen folgen. Zudem begannen die Sicherheitskräfte am Donnerstag mit der Besetzung weiterer Favelas, die in sogenannte UPPs umgewandelt werden sollen, „Befriedungseinheiten“ der Polizei.

Feuergefechte auf offener Straße

In den letzten Wochen war es verstärkt zu bewaffneten Konflikten zwischen der Polizei und Drogenbanden gekommen. Ende August hatten sich etwa 60 Angehörige einer Drogenbande auf offener Straße ein Feuergefecht mit der Polizei geliefert. Anschließend hielten Kriminelle über Stunden 35 Geiseln in einem Hotel in ihrer Gewalt.

Allein in der letzten Woche kam es zu drei sogenannten „Arrastoes“, gewaltsamen Überfällen bei denen eine Gruppe von Kriminellen in großem Stil eine ganze Region heimsucht. Dabei hatten es die Kriminellen besonders auf Autos abgesehen. So wurden gleich zweimal innerhalb von zwölf Stunden Straßensperren an den Ausgängen von Tunneln errichtet, um Fahrzeuge zu rauben. Bei der anschließenden Polizeiaktion wurde ein 13-jähriger Junge in einer nahe gelegenen Favela erschossen.

Überfälle und Geiselnahmen

Insgesamt kam es innerhalb der letzten vier Wochen zu 18 „Arrastoes“ im Stadtgebiet Rio de Janeiros. Die Polizei setzt jetzt auch Hubschrauber ein um die Stadt zu überwachen. Ende August hatten sich gut 60 bewaffnete Drogenkriminelle der Favela Rocinha im Stadtteil Sao Conrado ein offenes Feuergefecht mit der Polizei geliefert. Ein Teil der Gruppe flüchtete sich in ein Luxushotel, in dem sie 35 Gäste über Stunden als Geiseln festhielten. Der Vorfall versetzte die Bewohner des Viertels in Panik und erregte Aufmerksamkeit in der ganzen Welt. Auch der für Sao Conrado zuständige Polizeichef wurde jetzt abgelöst.

Derweil leiden Bewohner der Nordzone unter fast täglichen Schusswechseln zwischen der Polizei und Drogenbanden. Dabei wurde Anfang der Woche eine Rentnerin erschossen. Die Sicherheitslage in der Nordzone der Stadt gilt als wesentlich prekärer als rund um die Mittelklasseviertel der weltberühmten Südzone.

Nachdem die Polizei in zahlreichen Favelas der Südzone „Befriedungseinheiten“ installiert hat, sind viele Kriminelle in Favelas der Nordzone ausgewichen.

Besetzung von Favelas

In einem weiteren Schritt zur Befriedung des Stadtzentrums hat die Polizei am Donnerstagmorgen mit der Besetzung der Favela „Morro dos Macacos“ (Affenhügel) begonnen. Neben „Macacos“ begann die Polizei gleichzeitig mit der Besetzung der beiden Nachbarfavelas „Pau da Bandeira“ und „Parque Vila Isabel“. Der Favelakomplex liegt gut zwei Kilometer von Rios berühmten Maracana-Stadion entfernt, in dem 2014 die Fußball-WM und 2016 die Olympischen Spiele ausgetragen werden.

Mitte Oktober letzten Jahres war es zwischen verfeindeten Drogenbanden zu einem blutigen Gefecht um die Vorherrschaft in „Macacos“ gekommen. Als die Polizei in den Konflikt eingriff, wurde ein Polizeihubschrauber von den Banditen über der Favela abgeschossen. Dabei verbrannten drei Polizisten. In den darauf folgenden Aktionen der Polizei sollen etwa 50 Angehörige der Drogenbanden ums Leben gekommen sein. Im Einzugsgebiet der jetzt eingerichteten UPP leben etwa 40.000 Menschen.

Weitere Befriedungspläne

Sobald die neue UPP in „Macacos“ installiert ist, will die Polizei weitere auf demselben Hügel gelegene Favelas befrieden. So soll die insgesamt vierzehnte UPP in den angrenzenden Favelas „Morro do Sao Joao“, „Morro da Matriz“ und „Morro do Quieto“ errichtet werden. Bisher wurden 12 UPPs errichtet, u.a. in folgenden Favelas: Dona Marta, Pavao-Pavaozinho, Chapeu Mangueira / Babilonia, Tabajaras / Cabritos, Jardim Batam, Cidade de Deus und „Morro da Providencia“. Bis Ende 2014 will die Polizei 44 Favelas befriedet haben, in denen insgesamt 245.000 Menschen leben. Hierfür werden derzeit die Polizeikräfte massiv aufgestockt. Alleine nächste Woche sollen 1.300 neue Polizisten den Dienst antreten.

Autor: Thomas Milz