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Befreiungstheologe Casaldaliga nach Morddrohungen untergetaucht

Wegen Morddrohungen war in Brasilien der Befreiungstheologe und emeritierte Bischof Pedro Casaldaliga (84) im Dezember für drei Wochen untergetaucht. Das berichtet die brasilianische Presse am 9. Januar. Zu diesem Schritt hätten ihm Regierungsbehörden geraten, nachdem sie Informationen über einen geplanten Anschlag auf den Geistlichen erhalten hätten. Mitte Dezember hatte Staatspräsidentin Dilma Rousseff dem emeritierten Bischof einen Menschenrechtspreis für dessen Arbeit zugesprochen.

Casaldaliga setzt sich für die Landrechte des indigenen Xervantes-Volkes ein, das seit den 60er Jahren für eine Rückgabe ihres traditionellen Siedlungslandes im nördlichen Bundesstaat Mato Grosso kämpfen. Im November haben die Behörden begonnen, die auf dem Indigenen-Land lebenden weißen Landwirte abzutransportieren. Dabei kam es zu gewalttätigem Widerstand.

Casaldaliga reiste den Berichten zufolge am 7. Dezember gemeinsam mit einem Ordensmann in den Bundesstaat Goias, um dort Unterschlupf zu suchen. Am 29. Dezember seien beide nach Mato Grosso zurückgekehrt, nachdem die Behörden Entwarnung gaben. Zwar sei die Zwangsräumung noch nicht abgeschlossen; es gebe jedoch keinen Widerstand der Landwirte mehr. Nach Behördenangaben werden die angeblichen Morddrohungen derzeit von der Polizei untersucht.

Der 1928 nahe Barcelona geborene Spanier Casaldaliga geriet Mitte der 80er Jahre aufgrund seiner Unterstützung für die lateinamerikanische Befreiungstheologie in Konflikt mit dem Vatikan. Anfang 2005 nahm Papst Johannes Paul II. sein Rücktrittsgesuch aus Altersgründen an. Casaldaliga leidet seit Jahren an der Parkinson-Krankheit. Derzeit bereitet das spanische Fernsehen eine Verfilmung seines Lebens vor.

Quelle: KNA