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Bauern besetzen Wasserkraftwerk am Rio Uruguay

Etwa 450 von einem Staudammprojekt am Fluss Uruguay betroffene Bauern und deren Familien besetzten am vergangenen 26. Juli das Wasserkraftwerk Foz de Chapecó und hinderten Baufahrzeuge an der Zufahrt zum Kraftwerk. Die Bauern wollten mit dieser Aktion die Einhaltung von Versprechen des Betreiberkonsortiums CPFL erwirken, wonach die Landbevölkerung Entschädigungen erhalten soll. Die mit einem großen Aufgebot vor Ort präsente Polizei setzte Tränengasgeschosse gegen die Teilnehmenden ein, verletzt wurde jedoch niemand.

Von dem Bau des Wasserkraftwerks sind nach Angaben der Bewegung der von Staudammprojekten Betroffenen (MAB) etwa 2.500 Familien direkt betroffen, etwa 300 Familien habe man in Umsetzungs- oder Entschädigungsplänen gar nicht berücksichtigt. „Außerdem werden auch Fischer, die am Fluss Uruguay ihrer Arbeit nachgehen, bisher vom Betreiberkonsortium nicht als Betroffene anerkannt“, erklärte der Koordinator der Organisation, Evanclei Farias.

Ende Juni hatte das brasilianische Bundesinnenministerium (MPF) bereits verfügt, dass von Seiten der Bundesumweltbehörde IBAMA keine Betriebsgenehmigung für das an der Grenze zwischen den Bundesstaaten Santa Catarina und Rio Grande do Sul gelegene Kraftwerk erteilt werden dürfe, da 60 Prozent der Vegetation aus dem Überflutungsgebiet des Stausees noch nicht entnommen und umgesetzt worden seien. Dies würde, so die MAB, die Wasserqualität stark beeinträchtigen. Außerdem werde es starke Auswirkungen haben, dass der Fluss Uruguay im Bereich des Wasserfalls auf einer Länge von 23 Kilometern ein sehr eingeschränktes Flussbett haben werde, befürchtet die Organisation.

Bei einem für den 28. Juli angesetzten Treffen im Energie- und Umweltministerium in Brasilia würden die Betroffenen unter anderem ihre Forderungen nach Bereitstellung neuer Siedlungsgebiete für vertriebene Familien, die Anerkennung der Fischer als Betroffene des Kraftwerks sowie die Erstellung eines regionalen Entwicklungsplans erneuern, erklärte Evanclei. Der Bau habe bisher nicht die versprochene ökonomische Entwicklung bewirkt und stattdessen zu einem wirtschaftlichen und sozialen Niedergang sowie zu Umweltzerstörung geführt, erklärte der Koordinator der MAB.

Bis zum Bekanntwerden der Ergebnisse der Gespräche in Brasilia will die MAB die Blockade der Baustelle durch die etwa 70 Familien fortsetzen. Falls die Ergebnisse des Gesprächstermins nicht zufriedenstellend sind, werde über erneute Aktionen beraten, um weiter für die Bereitstellung von Wohnraum und Land für die Vertriebenen und für würdige Lebensbedingungen zu kämpfen. (bh)

Quelle: Adital