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Ausschreitungen vor dem Endspiel der Copa Libertadores

Es war ein Anblick, der jedem Fußball-Fan Gänsehaut bescherte: Boca Juniors trainierte vor 50.000 Zuschauern in ihrem Stadion La Bombonera. Wenige Tage später sollte das „größte Spiel der Welt“ stattfinden – die erbitterten Widersacher aus der Millionenstadt Buenos Aires Boca Juniors gegen River Plate im Rückspiel des Finales der Copa Libertadores, der südamerikanischen Champions League. Noch nie standen sich die beiden Vereine aus der argentinischen Hauptstadt im Copa-Finale gegenüber. Es sollte ein Fußballfest werden, doch Gewalt, Randale und ein Angriff auf Spieler der Boca Juniors führten schon im Vorfeld zur Spielabsage.

Spiel verschoben, Datum ungewiss

Als Termin für das Final-Rückspiel war Samstag, der 24. November angesetzt. Das Hinspiel ging 2:2 aus, die Fans erwarteten einen weiteren Krimi um die wichtigste Trophäe im südamerikanischen Fußball. Schon vor dem Anpfiff, eskalierte die Gewalt. Die Anhänger von River Plate hatten den Mannschaftsbus der Boca Juniors mit Steinen und Flaschen beworfen, als der Wagen in die Straße zum Stadion von Atlético River Plate eingebogen war. Die Scheiben zerbarsten, Spieler der Boca Juniors wurden an Augen und im Gesicht verletzt. Boca-Kapitän Pablo Pérez musste wurde ins Krankenhaus eingeliefert werden. Auf den Straßen eskalierte die Situation zwischen River-Plate-Anhängern und Polizisten. Tränengas kam zum Einsatz und zog auch in den Mannschaftsbus, dessen Scheiben fast vollständig zerstört waren. 

Im River-Plate-Stadion El Monumental warteten bereits Zehntausende Zuschauer, unter ihnen auch FIFA-Chef Gianni Infantino. Nachdem der Spielbeginn mehrmals verschoben wurde, sagte der südamerikanische Fußballbund das Finale schließlich ab. Auch der Ersatztermin am Sonntag, um 17 Uhr Ortszeit wurde gestrichen. Am Dienstag, 27. November, wird der südamerikanische Verband zusammenkommen und über die weitere Vorgehensweise beraten. Ein neuer Termin steht noch nicht fest. Doch die Zeit drängt, denn schon wirft der G20-Gipfel, der am 30. November in Buenos Aires beginnt, seine Schatten voraus. Gerne hätten die  Verantwortlichen das Skandalspiel vorher über die Bühne gebracht.

Die Macht der Hooligans

„Das Land ist nicht bereit für ein Boca-Rivers Finale“, hatte der Journalist Andres Burgo in der New York Times bereits vor dem Hinspiel prophezeit. Argentinien ist bekannt für seine leidenschaftlichen Fans und die mitreißende Stimmung in den Stadien. Diese Leidenschaft zeigt jedoch immer wieder seine Schattenseiten. Bereits seit 2013 finden in ganz Argentinien Spiele nur noch vor heimischem Publikum statt – aus gutem Grund: Vor und nach den „Superclásicos“, wie die Spiele zwischen Boca Juniors und River Plate genannt werden, kam es immer wieder zu Ausschreitungen, wie zuletzt wenige Tage vor dem geplanten Copa-Finale bei einem Zweitligaspiel in Buenos Aires. Die „All Boys“ verloren ihr eigenes Derby gegen Atlanta. Die Fans randalierten, attackierten die Polizei und die Spieler von Atlanta.

„Barras bravas“, die „wilden Horden“, so werden die meist gewalttätigen Fanklubs in Lateinamerika genannt, die auch im argentinischen Fußball großen Einfluss haben. Die „barras bravas“ haben regelrechte mafiöse Strukturen, die alle Ebenen der Gesellschaft durchdringen: Sie sind involviert in Geldwäsche und Drogenhandel und haben korrupte Verbündete in Politik und Polizei. Dazu kommen  Straßenkämpfe mit rivalisierenden Vereinen und vermehrt auch mit kriminellen Banden um Macht und Einflussgebiete. Teilweise bezahlen die „barras bravas“ die Kosten für die millionenschweren Spielertransfers und haben großen Einfluss auf Personalentscheidungen, besonders in Argentinien. (aw)

Quellen: New York Times, WELT, BBC

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