Puerto Rico |

An sauberen Energien scheiden sich die Geister

Die Regierung des Freistaats Puerto Rico hat sich eine Verringerung der Energiekosten durch den Ausbau der Erdgas- und Windkraftproduktion zum Ziel gesetzt. Doch die Großprojekte stoßen auf Widerstand. Umstritten sind die geplante Erdgasleitung und der Windpark vor allem wegen ihres Verlaufs beziehungsweise ihrer Standortwahl. So soll die Erdgasleitung von der Südküste über den zentralen Gebirgszug und durch ein ökologisch sensibles Gebiet bis zur Hauptstadt San Juan im Norden des Landes verlegt werden.

´Grüne Pipeline´ oder ´Todesrohr´?

Was die zuständige Elektrizitätsbehörde AEE als ´grüne Pipeline´ vermarktet, brandmarken die Gegner als ´Todesrohr´. Die AEE hält zwar das Monopol auf die lokale Energieproduktion, kauft aber seit den 90er Jahren auch Strom aus privaten Quellen ein. Der Großteil der vom Staat bereitgestellten Energie stammt aus Wärmekraftwerken, die mit Dieselkraftstoffen aus Schweröl angetrieben werden. Erdgas sei sauberer und preiswerter und setze zudem deutlich weniger Treibhausgase frei, unterstreich die AEE.

Arturo Massol Deya, Professor an der Universität von Puerto Rico, gehört zu den erklärten Gegnern der Erdgasleitung. Seiner Meinung nach führt sie lediglich dazu, den Teufel (Erdöl) mit dem Beelzebub (Erdgas) auszutreiben. Dabei gäbe es genügend erneuerbare Energien wie Sonne, Wind und Wasserkraft, um den Energiebedarf der Inselbewohner zu decken. Massol Deya ist Sprecher von ´Casa Pueblo´, einer Gemeindeorganisation mit Sitz in der Ortschaft Adjuntas, durch die die geplante Pipeline verlaufen soll. Die Mitglieder sind zum einen aus Sicherheitsgründen gegen die Leitung – in der gesamten Region kommt es häufig zu schweren Überschwemmungen – zum anderen würde der Umstieg von Erdöl auf Erdgas gerade einmal zu Einsparungen von einem Prozent Kilowattstunden führen.

Ausbau der Sonnenenergie als Lösung

Grundsätzlich hat Casa Pueblo nichts gegen einen Umstieg auf den alternativen Energieträger Erdgas. Die Gruppe ist jedoch der Ansicht, dass durch eine Kombination aus Wärme- und Erdgasversorgung der Bau der Leitung über die ganze Insel hinweg überflüssig wäre. Das seit dem Jahr 2000 in Puerto Rico operierende Energieunternehmen ´EcoEléctrica´ befindet sich keine zwei Kilometer vom AEE-Wärmekraftwerk entfernt, das 30 Prozent des Energiebedarfs deckt.

"Die Südküste mit Erdgas zu versorgen, würde keine großen Veränderungen erforderlich machen", betont die Geografin Alexis Dragoni. "Vielmehr müssten nur die AEE-Verbrennungsöfen ausgetauscht werden." Die Kraftwerksumstellung würde den Stromversorger befähigen, mindestens 43 Prozent seines Stroms aus Gas zu erzeugen, ohne dass der Bau der Gasleitung erforderlich wäre.

EcoEléctrica hat bereits eine Pipeline verlegt, die Gas zur Südküste transportiert. Fehlt nur noch die Fertigstellung eines 50 Meter langen Endabschnitts. Die umstrittene neue Gasleitung soll die spanische Firma ´Gas Natural Fenosa´ bauen, die dem US-Konzern ´Enron´ 2003 die Firma Eco- Eléctrica abgekauft hatte. Casa Pueblo sieht in dem Ausbau der Sonnenenergie die beste Lösung für Puerto Rico. Bisher decken erneuerbare Energien nur einen Bruchteil der im Freistaat benötigen Energie. Wasserkraft bedient 1,8 Prozent der insularen Nachfrage.

Windpark gefährdet Ernährungssicherheit

Die Pläne, in Santa Isabel einen Windpark zu errichten, hat in der Region zur Gründung der Bäuerlichen Widerstandsfront (FRA) geführt. Die FRA will die Fertigstellung eines im November angelaufenen Projekts der US-Firma ´Pattern Energy Corporation´ inmitten eines fruchtbaren Flachlandgebiets im Süden der Insel verhindern. Auf einer Fläche von 1.400 Hektar sollen 44 bis 65 Windmühlen entstehen, die nach Aussagen von Pattern nach ihrer Fertigstellung 75 Megawatt Strom für 25.000 Haushalte erzeugen werden.

Wie die FRA-Aktivistin Karla Acosta erklärte, wurden sowohl die Tröpfchenbewässerungssysteme in der Region als auch die oberste Erdschicht zerstört. "Wir verlieren unsere besten Böden", kritisiert sie. FRA verweist zudem auf den US-amerikanischen Agrarzensus, demzufolge Puerto Rico allein in den Jahren 2002 bis 2007 19 Prozent seines Agrarlands verloren hat. Und Myrna Covas, Wissenschaftlerin an der Universität von Puerto Rico, stellt in einer Studie über die Ernährungssicherheit der Insulaner fest, dass die örtlichen Bauern gerade einmal 15 Prozent des landesweiten Nahrungsmittelbedarfs decken. Der Rest muss importiert werden.

Experten fürchten um die Ernährungssicherheit Puerto Ricos. Schon jetzt ist die Bevölkerungsdichte von 350 Einwohnern pro Quadratkilometer Land extrem hoch und wird angesichts des erwarteten Bevölkerungswachstums noch weiter zunehmen. Die Landwirtschaft in Santa Isabel erwirtschaftet jedes Jahr 30 Millionen US-Dollar und beschäftigt 3.000 Menschen, so der Vorsitzende des Bauernverbands, Ramón González.

"Wir sollten nicht auch noch das bisschen Land zerstören, das uns ernährt", meint die FRA-Sprecherin María Viggiano. "Wir schlagen vor, dass die Windmühlen in industrialisierten Gebieten aufgebaut werden, die keinen landwirtschaftlichen Wert besitzen." Sáez Cintrón von der Koalition zum Schutz der Trockenwälder von Guánica ist grundsätzlich gegen die Installation von Windmühlen in der Nähe von Wäldern. Nach Ansicht von Luis Silvestre von der Ornithologischen Gesellschaft von Puerto Rico könnten die Menschen im Lande ihren Energiebedarf erheblich einschränken und dadurch Kosten sparen.

Autorin: Carmelo Ruiz-Marrero, deutsche Bearbeitung: Karina Böckmann, IPS-Weltblick