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Alternative zum Panama-Kanal

Um den Gütertransport zwischen Pazifik- und Atlantikküste zu erleichtern, plant Guatemala als Alternative zum Panama-Kanal eine neue Autobahn und eine Schienenstrecke.

Eine Gruppe guatemaltekischer Unternehmer brachte die Idee erstmals Ende der neunziger Jahre ins Spiel. Man habe über alternative Transportrouten nachgedacht, sollte der Panama-Kanal seine Kapazitätsgrenzen erreichen, erläutert Rokael Cardona, der Vorsitzende der unabhängigen Vereinigung ´Macht für alle´ (PPT), die sich an dem Projekt beteiligt.

Im Juli wird das Vorhaben öffentlich ausgeschrieben, 2012 sollen die Bauarbeiten beginnen. Geplant sind eine vierspurige Autobahn und eine parallel dazu verlaufende Zugstrecke sowie eine öl- und eine Gasleitung über eine Strecke von jeweils 372 Kilometern.

Wettbewerbsvorteile für Guatemala

Die guatemaltekische Wirtschaft verspricht sich von dem Vorhaben internationale Wettbewerbsvorteile. Laut einer PPT-Studie könnten über den interozeanischen Korridor im Jahr 2020 neun Millionen Container umgeschlagen werden. Das steigende Güterangebot wird bis dahin voraussichtlich zu einer Überlastung des Panama-Kanals und der Landwege durch die USA geführt haben.

Guatemalas interozeanischer Korridor soll Südasien mit dem Südosten der USA verbinden. Die Kosten für das Megaprojekt werden auf rund zwölf Milliarden US-Dollar veranschlagt. Vorgesehen ist auch der Bau von zwei Häfen, in die Schiffe einlaufen können, die jeweils mehr als 8.000 Container fassen.

Große Container-Schiffe können Panama-Kanal nicht passieren

Als großer Schwachpunkt des Panama-Kanals gilt sein Schleusensystem. Es verhindert die Passage von größeren Schiffen mit einer Ladekapazität von mehr als 15.000 Standardcontainern. Die geografische Lage Guatemalas wird dagegen von den Befürwortern des neuen Projekts als entscheidender Vorteil gepriesen.

"Die Entfernung zwischen Pazifik und Atlantik ist relativ gering", erklärte Cardona. In Kanada müssten 7.000 und in den USA 5.000 Kilometer zwischen den beiden Meeren überwunden werden. Der Transportkorridor in Guatemala soll durch 17 Gemeinden und fünf Bezirken führen.

Internationale Beteiligung am Projekt

Strategisch unterstützt wird die Initiative unter anderem durch den Hafen von Barcelona. Außer guatemaltekischen Geldgebern sind Aktionäre aus Chile, El Salvador, Großbritannien, Japan, Spanien und den USA beteiligt. PPT erhofft sich wirtschaftliche Vorteile für das Land, in dem nach offiziellen Angaben etwa die Hälfte Bevölkerung von 14 Millionen Menschen in Armut lebt.

Wie Cardona erklärte, werden die bislang größten ausländischen Investitionen in Guatemala 350.000 direkte Arbeitsplätze schaffen. Der Regierung und den Stadtverwaltungen würden dadurch zusätzliche Steuern zufließen.

Zusammenarbeit mit Gemeinden geplant

Die privaten Investoren werden eng mit den 46 entlang des Korridors gelegenen Gemeinden kooperieren. Auch sie sollen Aktien erwerben und ein Anrecht auf 14 Prozent der Gewinne erhalten. Damit sollen Sozialprojekte in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Umweltschutz finanziert werden.

Anders als sonst üblich werde es keine öffentlich-private Partnerschaft zwischen der Zentralregierung und dem Privatsektor geben, sagte Cardona. Stattdessen arbeite man mit den autonomen Gemeinden zusammen. Eine erste Einigung zur Förderung des Vorhabens hatten die Unternehmer und 46 Bürgermeister im August 2009 geschlossen.

Proteste von Anwohnern

Nicht alle Einwohner der Region sind allerdings mit dem Bauvorhaben einverstanden. Im vergangenen Oktober zündeten Gegner aus Protest das Rathaus der Stadt Jocotán und den Markt an. Sie kritisierten auch die geplante Inbetriebnahme von Bergwerken und Wasserkraftwerken. Die Betreiber des Projekts mussten daraufhin die Route für die Straße und die Schienenstrecke ändern.

Juan González von der Umweltorganisation ´Madreselva´ warnte davor, dass es ohne eine Abstimmung mit der Bevölkerung zu weiteren Ausschreitungen kommen werde. Die geplanten Transportstrecken seien zudem eine "künstliche Grenze", die ökologische Korridore in der ohnehin bereits von Wüstenbildung bedrohten Gegend schließen würde.

González bemängelte, dass bislang noch keine Umweltverträglichkeitsstudie für den interozeanischen Korridor vorliege. Es sei bezeichnend, dass dieser an den Gold- und Silberminen vorbeiführe, die das kanadische Unternehmen Goldcorp. ausbeute.

Autor: Danilo Valladares (IPS)