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4. Weltforum Theologie und Befreiung

5. bis 10. Februar 2011 in Dakar / Senegal

Stefan Silber

Alle zwei Jahre (seit 2005) findet in Verbindung mit dem Weltsozialforum ein weltweites Forum für Theologie und Befreiung statt, dieses Jahr in der Hauptstadt Senegals. Trotz des Tagungsortes war die Präsenz lateinamerikanischer Theologinnen und Theologen unter den über hundert Teilnehmern unübersehbar. Schließlich hat das Forum (ebenso wie das Weltsozialforum) seinen Anfang im brasilianischen Porto Alegre genommen. Die Koordinationsgruppe bemühte sich zwar um einen ausgewogenen Proporz für die fünf Kontinente, aber die lateinamerikanischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer bestimmten doch weithin das Bild und die Thematik, vielfach unterstützt von den europäischen und nordamerikanischen TheologInnen.

Das Forum versteht sich als eine Art Marktplatz, auf dem Menschen aus der ganzen Welt einander begegnen, miteinander ins Gespräch kommen und voneinander lernen können. Anders als bei einem theologischen Kongress steht nicht die Erarbeitung einer zentralen Thematik im Vordergrund, sondern das gegenseitige Lernen. Ob das auch in Zukunft so bleiben soll, war teilweise umstritten, aber Projekte zur gezielteren inhaltlichen Ausrichtung des Forums erhielten nur wenig Unterstützung. Manchem der Teilnehmer, vor allem aus den nördlichen Ländern, blieb daher das Forum zu offen und zu beliebig.

Inhaltlich standen daher auch sehr verschiedene Themen im Mittelpunkt, die jedoch alle einen inneren Zusammenhang besitzen. Während die einen die konkreten Lebensperspektiven der armen Menschen wieder stärker für die Theologie der Befreiung fruchtbar machen möchten und dabei die Vielfalt und Unterschiedlichkeit dieser Perspektiven betonten, dachten andere über die Entwicklung einer interreligiösen Theologie nach, die Antwort auf die vielfachen globalen Herausforderungen, die den gesamten Planeten betreffen, geben könnte. Einer Gruppe vor allem europäischer Theologen war daran gelegen, das politische und kritische Profil der Theologie der Befreiung zu stärken, fokussiert auf den Begriff des „Imperiums“. Wieder eine andere Gruppe brachte die Erfahrungen und die Religionen der indigenen Völker (nicht nur, aber vor allem Lateinamerikas) zur Sprache.

Allen gemeinsam war, dass sie die Überzeugung zum Ausdruck brachten, dass der Glaube einen Beitrag zur Befreiung der Menschen leisten kann. Vor allem aus der Perspektive der ausgeschlossenen und vergessenen Menschen und im Einsatz für sie kann das Christentum seiner Rolle in der gegenwärtigen Welt gerecht werden. Die Vernetzung mit Vertretern anderer Religionen, die für das Forum angezielt war, konnte leider nur am Rande verwirklicht werden.
Das Forum war an zwei Tagen eingebettet in das gleichzeitig in Dakar stattfindende Weltsozialforum (WSF). An den zwölf Workshops, die auf dem Campus-Gelände des WSF stattfanden, nahmen aber leider aufgrund zahlreicher organisatorischer Behinderungen nur wenige WSF-Teilnehmer teil. Eine bemerkenswerte Ausnahme gelang dem Institut für Theologie und Politik aus Münster, dessen Delegation einen Workshop mit Migrantinnen und Migranten organisiert hatte, die aus Europa ausgewiesen worden waren und nun im Vorfeld des WSF an einer großen Informationskampagne in den westafrikanischen Ländern teilgenommen hatten. Die politisch-theologischen Reflexionen über das Thema Migration und Menschenrechte wurden auch von vielen afrikanischen Teilnehmern des WSF mit Interesse aufgenommen.
Das Forum wurde von verschiedenen Hilfswerken weltweit, aus Deutschland unter anderem Adveniat, unterstützt.