Argentinien |

12 Ehemalige Militärs zu lebenslanger Haft verurteilt

Auf dem Weg zur Aufarbeitung der Verbrechen während der Militärdiktatur hat Argentinien eine weitere wichtige Etappe erfolgreich hinter sich gebracht. Am Mittwoch sind zwölf von 18 angeklagten Ex-Militärs von einem Gericht in Buenos Aires zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Die Angeklagten sind während der Zeit des Militärregimes im größten Geheimgefängnis ESMA tätig gewesen. In der Haftanstalt sind schätzungsweise 5000 Menschen illegal inhaftiert und gefoltert worden. Nur wenige Hundert von ihnen haben überlebt. Unter den Verurteilten sind auch Alfredo Astiz und sein damaliger Vorgesetzter Jorge Acosta, die beide als zentrale Figuren des damaligen Regimes gelten.

Der Prozess dauerte 22 Monate, es wurden mehr als 200 Zeugen in den 85 zur Anklage gebrachten Fällen befragt. In vielen dieser Fälle ging es um die Gewalt gegen Aktivisten. Vor allem aber auch um Unterstützer der Menschenrechtsorganisation Madres de la Plaza de Mayo, die 1977 unter der Leitung von Alfredo Astiz entführt und umgebracht wurden. Neben den zwölf lebenslangen Verurteilungen, entscheid das Gericht in zwei Fällen auf eine Haftstrafe von 25 Jahren sowie jeweils einmal auf 18 und 20 Jahre. Zwei der ehemaligen Militärs wurden freigesprochen. Hunderte Menschen warteten vor den Toren des Gerichts in der argentinischen Hauptstadt auf die Urteilsverkündung. Einige Angehörige der Opfer bezeichneten dies als historischen Moment.

Die Herrschaft des Militärs in Argentinien zwischen 1976 und 1983 gilt als eine der brutalsten in der Geschichte Lateinamerikas. 30.000 Menschen sind durch den damaligen Staatsterror ums Leben gekommen und der Verbleib vieler Opfer ist bis heute ungeklärt. (aj)