Vom einst reichen Erdölstaat zum Armenhaus Lateinamerikas

Venezuela hat sich in den letzten Jahren zum Krisenstaat Lateinamerikas entwickelt: Fehlende Investitionen und die Abhängigkeit vom Erdölsektor haben die heimische Wirtschaft fast zum Erliegen gebracht. Die galoppierende Inflation lässt den Schwarzmarkt blühen. Für 2019 rechnet der Internationale Währungsfonds mit einer Inflationsrate von bis zu zehn Millionen Prozent. Geld ist praktisch wertlos. Auch die von Präsident Nicolás Maduro eingesetzte Kryptowährung brachte keinen Erfolg im Kampf gegen die Geldentwertung. 

Lebensmittel und Medikamente sind Mangelware

Im alltäglichen Leben der Menschen herrscht Mangel vor. Die Supermarktregale sind leer und in den Krankenhäusern fehlen die Medikamente. Laut einer Studie venezolanischer Universitäten aus dem Jahr 2017 zu den Lebensbedingungen im Land (Encovi) haben 64 Prozent der Bevölkerung bis zu elf Kilo an Gewicht verloren. Bei einem mehrtägigen Stromausfall Mitte März starben Medienberichten zufolge 15 Patienten, weil sie nicht an die Dialyse angeschlossen werden konnten. Zu Tausenden versuchen Venezolaner täglich die Grenzen zu den Nachbarländern zu überqueren, um dort Asyl zu beantragen. Die Wirtschaftskrise hat eine enorme Flüchtlingskrise ausgelöst, die die lateinamerikanischen Nachbarstaaten vor große Herausforderungen stellt.  

Ein politisch gespaltenes Land

Viele Venezolaner sehen die Schuld für die derzeitige Wirtschaftskrise bei der Regierung und hoffen auf einen Wechsel. Zu ihrem Anführer hat sich der 35-jährige Oppositionspolitiker Juan Guaidó aufgeschwungen, der sich selbst am 11. Januar 2019 zum Interimspräsidenten erklärte, nachdem der umstrittene Präsident Nicolás Maduro einen Tag zuvor für eine zweite Amtszeit vereidigt worden war. Die Opposition erkennt die Wiederwahl Maduros, die nicht unter demokratischen Bedingungen stattfand, nicht an. Zwar besitzt sie im Parlament die Mehrheit, hat aber keinerlei Macht, weil Maduro sämtliche gesetzgeberische Kompetenzen an eine verfassungsgebende Versammlung übertragen hat. Die USA und die Mehrheit der europäischen Staaten haben Guaidó als Interimspräsidenten anerkannt. Nichtsdesttrotz hält Maduro an der Macht fest. 

Wie es zu dieser Situation kommen konnte und warum der "Sozialismus des 21. Jahrhunderts" in Venezuela gescheitert ist, erklärt Blickpunkt Lateinamerika mit aktuellen Hintergrundberichten und Analysen. Bildergeschichten illustrieren den Alltag in Venezuela und geben authentische Einblicke in das Leben der Menschen in Zeiten der Mangelwirtschaft. Audio-Beiträge aus unserem Podcast "Hörpunkt Lateinamerika" und Videoreportagen von Arte ergänzen das Angebot. (nvb)

Notstand in den Krankenhäusern

Kirche leistet Überlebenshilfe

Geschichte einer Flüchtlingsfamilie

Ein Land am Abgrund

Die große Flucht

Soziale Missstände, wirtschaftlicher Absturz - Venezuela zerfällt und die Menschen flüchten. Bislang sind über drei Millionen Venezolaner geflüchtet. Ein Beitrag von Hildegard Willer. 

Die Helfer aus Barquisimeto

Hyperinflation, Armut und Hunger herrschen im Land zum Glück gibt es Menschen, die helfen. Wie der Leiter des Genossenverbandes in Barquisimeto, wir haben ihn besucht. Ein Beitrag von Hildegard Willer. 

Die venezolanischen Musiklehrer in Peru

Venezolanische Flüchtlinge kommen zu Tausenden nach Peru unter ihnen viele gut ausgebildete Musiker, die jetzt in Peru als Musiklehrer arbeiten. Ein Beitrag von Hildegard Willer.

Lastenträger in Maracaibo

Wie kann würdevolle Arbeit in einem Krisenland wie Venezuela aussehen, wo Gütermangel und Inflation herrschen? Sandra Weiss hat Orlando Machado begleitet - bei seiner Arbeit auf dem Grossmarkt der Erdölstadt Maracaibo.

Venezuela: Hauptsache überleben | ARTE Reportage