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Zwischen Eiszeit und Kuschelkurs

Erst Kuba, nun Venezuela: Wenige Wochen vor den Wahlen in Venezuela will der sozialistische Präsident Hugo Chavez den seit Jahren abgerissenen Gesprächsfaden mit der katholischen Kirche wieder aufnehmen. Chavez befindet sich damit auf dem Kurs, den zuvor auch seine politischen Ziehväter in Kuba eingeschlagen haben. Schon vor dem Besuch von Papst Benedikt XVI. auf Kuba im März dieses Jahres liefen in Havanna die Drähte zwischen Havannas Erzbischof, Kardinal Jaime Ortega, und Präsident Raul Castro heiß.

Der vor mehr als zwei Jahren begonnene Dialog zwischen der Kirche und Kubas Kommunisten brachte mehr als 100 inhaftierten Dissidenten die Freiheit. Aber er säte auch Misstrauen, denn vor allem die Exil-Kubaner in den USA nahmen der Kirche ihre neue Offenheit übel und warfen ihr vor, sich zu Steigbügelhaltern der Kommunisten zu machen. Erst als Kubas bekannteste Bürgerrechtsgruppe, die mit mehreren Menschenrechtspreisen ausgezeichneten "Frauen in Weiß", sich offen hinter Ortega und seinen auf Austausch gerichteten Kurs stellte, ebbte die Kritik ab. Ortega bleibt derweil standhaft: "Wir werden unseren Weg des Dialogs fortsetzen."

Von einem echten Dialog kann man in Venezuela indessen noch nicht sprechen. Immerhin trafen sich jüngst am Sitz der Venezolanischen Bischofskonferenz hochrangige Vertreter der sozialistischen Regierung zu einem Meinungsaustausch mit der Kirchenspitze. Präsident Hugo Chavez ließ sich wenig später per Telefon zuschalten, um direkt mit dem Episkopatsvorsitzenden, Erzbischof Diego Padron, über die Differenzen der letzten Jahre zu sprechen. Es war das erste Mal seit Jahren, dass sich Chavez persönlich mit Venezuelas unbequemen Bischöfen austauschte.

Venezuelas Vizepräsident Elias Jaua hofft auf eine Fortsetzung des Dialoges: "Trotz aller gegensätzlichen Positionen wollen wir ein Klima des institutionellen und politischen Respekts zwischen beiden Institutionen wiederherstellen." Es sei nun wichtig, diesen neuen offenen Kanal der Kommunikation zu pflegen, so Jaua weiter. Chavez ergänzte, er hoffe auf die katholische Kirche als einen wichtigen Verbündeten im Kampf gegen die Armut. "Sie können viel dafür tun, uns beim Kampf gegen die Gewalt und Unsicherheit zu unterstützen", sagte Chavez der Tageszeitung "El Universal". "Ich hoffe auf gute Beziehungen."

Nur im sandinistischen Nicaragua bleibt alles wie gehabt. "Wir haben uns in den sechs Jahren der Präsidentschaft Daniel Ortegas nur ein einziges Mal mit ihm getroffen. Es wäre sicher für beide Seiten hilfreich, wenn wir ihm unsere Sorgen über den Zustand des Landes in direkten Gesprächen mitteilen könnten. Und er könnte uns seine Sicht der Dinge erklären", sagte der Vorsitzende der Nicaraguanischen Bischofskonferenz, Erzbischof Leopoldo Jose Brenes Solorzano, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Managua. "Wir sind jederzeit offen für Gespräche."

Sichtbares Symbol für den Zustand der Beziehungen zwischen Staat und Kirche in Nicaragua ist die alte Kathedrale in Managua. Das von einem Erdbeben zerstörte Gotteshaus ist seit Jahren für den Publikumsverkehr gesperrt, während der frisch restaurierte und mit Revolutionsplakaten geschmückte Nationalpalast nur wenige Meter weiter die Besucher empfängt. "Die alte Kathedrale befindet sich im Besitz des Staates. Wir haben schon mehrmals angefragt, ob wir sie wieder übernehmen können. Wir geben die Hoffnung nicht auf", sagt Erzbischof Brenes. Im kommenden Jahr feiert die Erzdiözese Managua ihr 100-jähriges Bestehen. Vielleicht ein Anlass für Präsident Ortega, mit einer Geste des guten Willens auf die Kirche zuzugehen.

Quelle: Tobias Käufer, KNA

Foto: Steffen/Adveniat