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Zweiter Ökumenischer Förderpreis in Gera

Foto: Uli Ertle / misso
Foto: Uli Ertle / misso

Der evangelische Entwicklungsdienst und der Katholische Fonds haben am vergangenen Freitag die Gewinner des Zweiten Ökumenischen Förderpreises Eine Welt ausgezeichnet. Preisträger sind die Pädagogische Werkstatt Globales Lernen Gera e.V., der Bund der Deutschen Katholischen Jugend aus der Diözese Görlitz und das Welthaus Bielefeld. Der Preis ist mit insgesamt 9.000 Euro dotiert und wird in drei Kategorien vergeben. Die Veranstaltung, zu der rund 100 geladene Gäste erschienen waren, fand im Gebäude der Sparkasse Gera statt.

„Und, was wisst ihr jetzt vom Leben der Menschen in Mexiko?“ Die Frage von Moderator Christian Frevel schwebt sekundenlang im Raum, dann fasst sich einer der Knirpse ein Herz: „Nichts“, sagt er. Ist das Experiment Globales Lernen gescheitert? Mitnichten, wie Christian Frevel beweist. Mit diesem kurzen Dialog bringt er den Gästen die Tatsache näher, dass man mit Kindern anders reden muss. Dass man ihre Perspektive einnehmen muss, wenn man mit ihnen ins Gespräch kommen will.

Die Kinder wissen nämlich eine ganze Menge: Sie wissen über die mexikanischen Musikinstrumente Bescheid, sie kennen die Trommeln und die Unterschiede zwischen deutschen und südamerikanischen Flöten. Man muss ihnen nur die richtigen Fragen stellen. Gerade diesen Wechsel der Perspektive hat sich die Pädagogische Werkstatt Globales Lernen Gera e.V. in ihrem Projekt zur nachhaltigen Bildungsarbeit auf die Fahnen geschrieben und ist dafür am vergangenen Freitag mit dem Ökumenischen Förderpreis Eine Welt ausgezeichnet worden. Genau wie der Bund der Deutschen Katholischen Jugend aus der Diözese Görlitz und das Welthaus Bielefeld für ihre jeweiligen Arbeiten.

"Die Welt ins Klassenzimmer holen"

ZDF-Moderatorin Gundula Gause betonte in ihrer Laudatio für die Pädagogische Werkstatt, die per Videobotschaft übertragen wurde, die Wichtigkeit dieses Perspektivwechsels. Die Kinder müssten sich „in das Leben und den Alltag von Gleichaltrigen in fernen Ländern buchstäblich einfühlen“, sagte sie. Nur so sei es möglich, „die Welt in ihrer ganzen Vielfalt ins Klassenzimmer“ zu holen. Die Erweiterung des eigenen Horizonts sei nämlich nur dann möglich, wenn man die Sorgen und Nöte des anderen kenne und erspüren könne. Besonders beeindruckt zeigte sie sich davon, dass es in Gera gelungen sei, „das Globale Lernen zu einem festen Bestandteil der schulischen Arbeit zu machen“. Für diese Leistung wurde die Pädagogische Werkstatt mit dem Förderpreis in der Kategorie Kinder- und Jugendprojekte ausgezeichnet.

Die geografische Entfernung dürfte für den Bund der Katholischen Jugend (BDKJ) in Görlitz bei seinem Projekt „Gesicht zeigen pokaz twarz“ nicht das Problem gewesen sein es galt vielmehr, die Distanz in den Köpfen zu überwinden. Der BDKJ wollte die Folgen der Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg erfahr- und erlebbar machen sowohl auf polnischer als auch auf deutscher Seite. Zu diesem Zweck formierten sich 50 Jugendliche aus Deutschland und Polen zu binationalen Kleingruppen, die sich auf Spurensuche in der Vergangenheit machten um einen Neuanfang in der Gegenwart zu wagen. Erfolgreich, wie der Bamberger Erzbischof Dr. Ludwig Schick in seiner Laudatio betonte. Und zwar nicht durch das Negieren der schwierigen Vergangenheit, sondern durch das genaue Gegenteil: „Die Jugendlichen im BDKJ Görlitz haben sich gemeinsam mit ihren polnischen Freunden entschieden, sich gegen das Vergessen der eigenen Geschichte zu stellen“, sagte Schick. Gemeinsame Gebete und Gespräche, der Dialog mit Zeitzeugen und der gemeinsame Arbeitseinsatz auf einem alten deutschen Friedhof im heutigen Polen hätten es möglich gemacht, „Versöhnung im Sinne von geheilter Erinnerung“ konkret zu erleben. Aufgrund des „vorbildlichen und motivierenden Charakters“ des Projektes wurde der BDKJ Görlitz mit dem Preis in der Kategorie Kirchliche Partnerschaften in der Einen Welt ausgezeichnet.

„Wir sind begeistert von der Ideenvielfalt und dem Durchhaltewillen der Preisträger. Mit ihrem bewundernswerten Engagement tragen sie wesentlich dazu bei, dass weltkirchliche und entwicklungspolitische Anliegen in Deutschland nachhaltig präsent sind."

Pater Eric Englert osa, Vorsitzender des Kuratoriums des Katholischen Fonds und Präsident von missio München, über den Förderpreis

Fundiertes Wissen und Hintergrundinformationen zu globalen Problemen dieser Ansatz liegt auch dem dritten Projekt zugrunde, das mit dem Ökumenischen Förderpreis dekoriert wurde. Erhalten hat die Auszeichnung das Welthaus Bielefeld, das mithilfe intelligent gestalteter Lernmaterialien komplexe Zusammenhänge das Verhalten der Menschen hierzulande und die Folgen des Klimawandels am anderen Ende der Welt für Kinder verständlich aufbereitet hat. In so genannten Bildungs-Bags, Umhängetaschen mit Unterrichtsmaterialien, wurden wichtige Themen personalisiert aufbereitet und so für Kinder im Alter von acht und zwölf Jahren begreifbar gemacht. „Es tut gut, dass Sie, die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Welthauses, die Sorgen und die Wissbegier von Kindern mit dem Projekt Klima-Kids ernst nehmen“, sagte Pfarrer Dr. Rudolf Ficker in seiner Laudatio. Die Kinder auf den fernen Inseln bekämen so „ein Gesicht und Namen, sie haben Hobbys und ab und zu mal Ärger mit Geschwistern“. Abstrakte geografische Namen sagten Kindern wenig. Mit einer fiktiven Achtjährigen namens Teera, die auf einer Insel im Pazifischen Ozean lebt und deren Lebensraum durch die Auswirkungen des Klimawandels bedroht sei, könnten die Kinder jedoch sehr wohl etwas anfangen. Auf diesem Weg sei es auch möglich, ein „erstaunlich anspruchsvolles Lernprogramm“ zu vermitteln und Zusammenhänge zwischen unserem Lebensstil und den Folgen für die fiktive Teera aufzuzeigen. Das lasse Kinder nicht kalt sondern ermutige sie, „an gangbaren Schritten zu arbeiten“, lobte Ficker. „Gut, dass das Welthaus Bielefeld aufzeigt, dass das geht.“

Gemeinsam mit Barbara Riek vom Evangelischen Entwicklungsdienst wagte Pater Eric Englert osa zum Ende der Veranstaltung noch einen kurzen Ausblick in die Zukunft des Förderpreises. Zwei Dinge seien beispielhaft, sagte der Vorsitzende des Kuratoriums des Katholischen Fonds. Die ökumenische Zusammenarbeit und die Tatsache, dass mithilfe dieses Preises die „weltkirchlichen und entwicklungspolitischen Anliegen in Deutschland nachhaltig präsent“ seien. Der Ökumenische Förderpreis, sagte Englert, werde auch in Zukunft an beispielhafte Projekte verliehen werden.

Weitere Informationen auf:
www.missio.de

www.katholischer-fonds.de