Haiti |

Zwei Millionen Haitianern droht Hungersnot

Falls die internationale Gemeinschaft nicht schnell auf die Folgen des Hurrikans Sandy reagiere, seien in Haiti mehr als eine Million Einwohner von einer Hungersnot bedroht, warnt die UN-Koordinationsstelle für humanitäre Angelegenheiten (OCHA). Rund 70 Prozent der Ernten in dem Karibikstaat seien vernichtet, berichtet Radio UNO.

In einem gestern veröffentlichten Aufruf der haitianischen Regierung und der UN-Welternährungsorganisation (FAO) bitten sie die internationale Gemeinschaft um Hilfen von 74 Mio. US-Dollar, um die Folgen von Hurrikan Sandy im Agrarsektor zu mildern und die Landwirtschaft wieder auf die Beine zu bringen. Laut FAO seien enorme Schäden an der ländlichen Infrastruktur, auf den Feldern, in der Tierhaltung und der Fischwirtschaft zu beklagen. 600.000 Menschen seien bereits jetzt akut von einer Hungersnot bedroht. Der Süden des Landes ist derzeit aufgrund von Überschwemmungen auf dem Landweg praktisch nicht erreichbar.

Regierung ruft Notstand aus

Über Haitis Felder sind in den letzten drei Monaten zwei starke Unwetter hinweggezogen, verursacht durch den Tropensturm Isaac im August und den Hurrikan Sandy Anfang November, und haben schwere Schäden verursacht. Rund 17.000 Haitianer mussten wegen des Hurrikans evakuiert werden, 21.000 Häuser wurden zerstört. Offiziellen Angaben zufolge hat Sandy mindestens 54 Tote gefordert, 22 Menschen werden jedoch noch vermisst. Nach Angaben der haitianischen Regierung betragen die Schäden durch die Stürme rund 254 Mio. US-Dollar, berichtet die Nachrichtenagentur TeleSur.

Die Regierung hat angesichts dieser Situation den Notstand ausgerufen. Die Behörden fürchten angesichts der Situation einen neuen Ausbruch der Cholera, die nach dem schweren Erdbeben 2010 vermutlich von UN-Soldaten ins Land geschleppt worden war und an der bereits Tausende Haitianer gestorben sind.

Auch das Rote Kreuz hatte am 2. November in einem Spendenaufruf um 5 Mio. US-Dollar Hilfen für die Karibikstaaten Haiti, Jamaika und Kuba gebeten. Davon sollen 2,3 Mio. US-Dollar nach Haiti gehen. Der Verantwortliche der Hilfsorganisation für die Region Lateinamerika, Jan Gelfand, unterstrich, dass Hurrikan Sandy keine vergessene Katastrophe werden dürfe. (bh)