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Zwangs-Einlieferungen von Cracksüchtigen in der Kritik

Die Einlieferungspraxis von Crack-Abhängigen in Rehabilitationszentren ist in der brasilianischen Millionenmetropole Sao Paulo zum Gegenstand einer aktuellen gesellschaftlichen Debatte geworden. Kritiker monieren, dass die Zahl von zwangseingelieferten Abhängigen zuletzt deutlich zugenommen habe. Der brasilianische Geistliche Julio Lancelloti kritisierte in der Tageszeitung "Folha de Sao Paulo" die ausufernde Praxis dieser Vorgehensweise. Die verpflichtende Einlieferung solle lediglich ein letztes Mittel und die Ausnahme sein, erinnerte Lancelloti. Stattdessen sei diese Internierungspraxis mittlerweile aber zu einem Normalfall in Sao Paulo geworden.

Die Regierung von Sao Paulo widerspricht dieser Darstellung. Eine verpflichtende Einlieferung habe es nur in zehn Prozent der Fälle gegeben. Dabei habe es sich um besonders schwer abhängige Patienten gehandelt.

Nach derzeitig gültigem Recht werden Drogensüchtige, die auf offener Straße aufgegriffen werden, in die zuständige Einrichtung CRATOD gebracht. Dort untersuchen die Mediziner die eingelieferten Menschen und erstellen ein Protokoll. Auf Basis dieser Einschätzung der Ärzte entscheidet dann ein Richter, ob der betroffene Drogensüchtige in ein Rehabilitationszentrum zwangseingeliefert wird. (tok)