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Zum Internationalen Tag des Wassers

Sauberes Trinkwasser ist Mangelware im Regenwald Brasiliens. Auf einigen Inseln des Amazonasdeltas hat sich die Trinkwasserversorgung dank Padre Jonas da Silva verbessert.

59 Jahre lang musste Jorge Nascimento auf die nächstgrößere Nachbarinsel rudern, wenn er Trinkwasser brauchte. In alten Benzinkanistern und Plastikflaschen auf wackeligen Kanus brachten die rund 100 Familien auf der Insel Jutuba im Mündungsdelta des Amazonas das Trinkwasser nach Hause. In der Regenzeit machte ihnen oft das Wetter einen Strich durch die Rechnung – dann mussten sie das schmutzigbraune Flusswasser verwenden, in das die nahegelegene Millionenstadt Belem ihre Abwässer ungeklärt einleitet. Fäkalien und Industrieabwässer vermischten sich mit Schwermetallen, die weiter oben Goldwäscher einleiteten. Parasiten, Durchfall und Magenschmerzen waren die Folge. Jetzt öffnet Jorge das Ventil eines blauen Plastiktanks und zeigt stolz die klare Flüssigkeit, die in sein Glas fließt.

Seit drei Jahren gibt es auf der ganzen Insel Regenwassertanks. Dank Padre Jonas da Silva. Der Priester der Erzdiözese von Belem betreut zusammen mit einem Kollegen Jutuba und 13 weitere Inseln des Flussdeltas, und kämpft unermüdlich für eine Verbesserung der prekären Lebensverhältnisse vor Ort. Das ist nicht immer einfach. Die Fahrten auf die Inseln sind lang und beschwerlich, die Not der rund 100.000 Einwohner ist groß, und die staatlichen Behörden legen ihm immer wieder Steine in den Weg. „Weil sie die Kirche als Konkurrenz betrachten, dabei macht der Staat hier kaum etwas“, erzählt der braungebrannte, kräftige Mann. Das Trinkwasserprojekt war das erste seit Jahren, das in Zusammenarbeit mit der Gouverneurin verwirklicht werden konnte.

Seither hat sich das Leben von Jorge Nascimento und seinen Nachbarn gründlich geändert. „Wir leben jetzt nicht mehr in der ständigen Sorge, uns könne das saubere Wasser ausgehen“, sagt seine Schwiegertochter Vera Monteiro. Früher wusch sie das schmutzige Geschirr am Fluss. Jetzt hat sie an ihrem Küchenfenster außen eine Spüle installiert – das gebrauchte Wasser versickert im Strand unter ihrem auf Pfählen gebauten Holzhaus. Ein paar Enten halten schnatternd ihre Schnäbel in den Wasserstrahl unter der Spüle.

„Ich bin Padre Jonas sehr dankbar und hoffe, dass er nie von hier weggeht,“ sagt Monteiro. Daran denkt der Priester von der Inselpastorale derzeit gar nicht. Vielmehr freut er sich darauf, dass er – dank einer Finanzhilfe des katholischen Hilfswerks Adveniat- bald in ein eigenes Pfarrhaus auf der Insel Oteiro östlich von Belem einziehen kann, um seine Gemeinden fortan noch besser betreuen zu können. Ansonsten schmiedet er weiter Pläne, wie das Leben auf den Inseln verbessert werden kann.

Die kleine Holzkapelle am Strand hat er bereits unter der Woche für den Grundschulunterricht zur Verfügung gestellt. Hinter der Hütte von Nascimento installierte er versuchsweise eine Komposttoilette, damit die Fäkalien nicht einfach im Fluss entsorgt werden. Derzeit zerbricht er sich den Kopf, wie auf seinen Inseln ökologisch am sinnvollsten Strom erzeugt werden kann, damit nicht wie bisher alles Essen nur eingesalzen haltbar gemacht werden kann. „Ein Gesundheitsposten wäre ideal, denn bisher kommt nur einmal die Woche eine Krankenschwester vorbei“, sagt er. Sein Ziel ist ein menschenwürdiges Leben für die Insulaner. Denn die Auswanderung in die Großstadtperipherie, wo Drogen, Gewalt und Arbeitslosigkeit lauern, hält er für die denkbar schlechteste Alternative.

Text: Sandra Weiss