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Zufriedene Favela-Bewohner trotz Diskriminierung

Brasilianische Favela-Bewohner sind mehrheitlich mit ihrem Leben zufrieden. Dies geht aus der Untersuchung „Radiografie der neuen brasilianischen Favela“ hervor, die das Institut Data Favela durchgeführt hat. Für die am 4. November anlässlich des „Tag der Favela“ vorgestellte Studie wurden 2.000 Bewohner von Favelas in 63 brasilianischen Gemeinden befragt, berichtet die Nachrichtenagentur Adital.

60 Prozent der Bewohner wollen wegziehen

Laut Untersuchung leben 81 Prozent der Befragten gern in ihrer Favela, 60 Prozent schämen sich zumindest nicht, dort zu leben. Allerdings gaben auch 66 Prozent der Befragten an, dass sie die Favela verlassen und an einem anderen Ort leben wollen. In Brasilien leben laut Volkszählung von 2010 rund zwölf Millionen Menschen in Favelas. Deren Jahresausgaben liegen bei durchschnittlich 63.200 Real (umgerechnet ca. 20.800 Euro). Dies ist mehr Geld, als die Einwohner in den Nachbarstaaten Bolivien, Paraguay und Uruguay pro Jahr ausgeben.

Etwa ein Drittel der Befragten erklärte, dass sie Opfer von Vorurteilen geworden seien, die mit ihrer Hautfarbe und ihrem Wohnviertel zusammen hängen. So seien 20 Prozent der Befragten dem Vorurteil begegnet, dass Einwohner von Favelas kein Geld hätten. Mehr als ein Drittel der Befragten ist schon einmal von Polizisten angehalten worden, bei jungen Erwachsenen zwischen 18 und 29 Jahren steigt der Anteil auf 65 Prozent.

Lebenssituation sei besser geworden

Mit dem „Tag der Favela“, der im Bundesstaat Rio der Janeiro seit 2006 und im Nachbarstaat Minas Gerais seit Juli 2013 offiziell begangen wird, soll eine positive Entwicklung der Favelas bestärkt werden. Laut Studie sind 51 Prozent der befragten Favela-Bewohner der Meinung, dass sich das Leben in ihrer Favela verbessert hat, 76 Prozent glauben, dass sie sich weiter verbessern wird.

Brasiliens Regierung versucht, auch im Vorfeld der anstehenden sportlichen Großereignisse, mit zahlreichen Infrastruktur- und Bildungsmaßnahmen sowie der so genannten Befriedungspolizei UPP die Lebenssituation in den als Favelas bezeichneten Armenvierteln zu verbessern und die jahrelang zum Teil aufgegebene staatliche Kontrolle wiederzuerlangen. Dabei kommt es auch immer wieder zu Übergriffen der Polizei. (bh)