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Zuerst die Menschenwürde

Als Pedro Barreto Jimeno vor sieben Jahren auf dem Weg in seine Erzdiözese zum ersten Mal durch den Minenort La Oroya kam, musste er sich den Mund zuhalten angesichts der Bleidämpfe, die die alte Metallschmelze nachts in die Luft blies. Barreto, damals neu ernannter Erzbischof von Huancayo, machte seitdem die Gesundheit der Bewohner von La Oroya zu seinem Anliegen.

Er forderte die Durchsetzung von staatlichen Umweltauflagen und rief darüber hinaus einen Runden Tisch für Umweltfragen ins Leben. Damit schuf sich der 67-jährige Jesuit nicht nur Freunde in der peruanischen Wirtschaft und Politik; die Bergbauindustrie ist die treibende Kraft für das anhaltend hohe Wirtschaftswachstum Perus.

Die Lateinamerikanische Bischofskonferenz CELAM dagegen wählte Erzbischof Barreto gerade mit Blick auf sein Umweltengagement zum Vorsitzenden ihrer Sozialkommission «Gerechtigkeit und Solidarität». Eine seiner ersten Amtshandlungen war die Organisation eines kontinentweiten Seminars zum Thema Bergbau und Kirche in Lateinamerika. Rund 70 Teilnehmer aus 17 Ländern kamen dazu Mitte Juni nach Chaclacayo bei Lima.

In guter Gesellschaft

Barreto steht mit seinem ökologischen Engagement als Bischof keineswegs alleine da. Denn die Kehrseiten der Jagd nach Rohstoffen bekommen die Menschen in Lateinamerika besonders stark zu spüren. Deshalb setzt sich zum Beispiel Bischof Alvaro Ramazzini Imeri aus Guatemala gegen Tagebau-Minen ein. Ebenfalls engagiert sich der kolumbianische Bischof Jose Figueroa Gomez aus Granada, wo sich die Bevölkerung nicht nur mit dem Bergbau, sondern auch mit Drogenhandel und Guerilla auseinandersetzen müssen.

«Wir alle stehen vor derselben Situation, dass durch den Bergbau und die Erdölbohrungen soziale Konflikte angeheizt werden», sagte Barreto nach dem Seminar. Aus seiner Sicht hängt der steigende Bedarf an Rohstoffen auch mit einer Lebensweise zusammen, die Konsum und Gewinn an die erste Stelle setzt. Barreto verweist deswegen auf das Dokument der letzten Vollversammlung der lateinamerikanischen Bischöfe in Aparecida, in dem die Suche nach einem anderen Entwicklungsmodell angemahnt wird. «Auch die europäischen Länder sind hier gefragt», meint der Erzbischof - denn auch Deutschland importiere den Großteil seiner Rohstoffe.

MItspracherecht nur auf dem Papier

Barreto will, dass die lokale Bevölkerung in die Planung von Bergbauprojekten eingebunden wird. In vielen Ländern ist jedoch der Artikel 169 der Internationalen Arbeitsorganisation nicht umgesetzt, der ein Mitspracherecht indigener Bevölkerungen bei der Vergabe von Schürf- und Bohrrechten vorsieht. Dass diese Möglichkeit fehlt, ist für den Kirchenmann eine Ursache für soziale Spannungen in Lateinamerika.

Die Meinung des katholischen Lehramtes und der lateinamerikanischen Bischöfe ist eindeutig: «Zuerst kommt die Würde der Person, die nicht verhandelbar ist», sagt Barreto. Die natürlichen Ressourcen dagegen seien ein Geschenk Gottes, das für alle und auch für künftige Generationen da sei. «Die katholische Kirche ist nicht gegen den Bergbau, aber sie ist dagegen, wenn er die menschliche Würde verletzt», bekräftigt Barreto.

Ein Netzwerk für Engagierte

Jetzt wollen die lateinamerikanischen Bischöfe ein Netzwerk zum Erfahrungsaustausch über Bergbaukonflikte aufbauen. Zugleich sollen Kirchenmitarbeiter in der Soziallehre der Kirche besser geschult werden. Aber auch der Dialog mit Wirtschaft und Staat sei sehr wichtig, «schließlich sind viele Wirtschaftsführer auch Katholiken», sagte Barreto. Er hofft, dass die Kirche durch Dialogangebote den Streit um die Rohstoffausbeutung in friedliche Bahnen lenken kann.

Autorin: Hildegard Willer (kna)