Brasilien |

Zeitung: Regierung fälscht Armutsstatistik

Trotz ausgebauter Sozialprogramme leben in Brasilien noch immer Millionen Familien im Elend. Die offizielle Armutsstatistik zeichne ein verfälschtes Bild, weil sie Faktoren wie den Zugang zu Bildung und Beschäftigung nicht einbeziehe, berichtete die Tageszeitung "Folha de S. Paulo" am Montag, 27. Mai, unter Berufung auf ein internes Dossier der Regierung. Dieses berücksichtigt außer dem Haushaltseinkommen noch fünf weitere Kriterien für die Bemessung von Armut.

Nachdem Anfang 2011 laut amtlichen Angaben 22 Millionen Brasilianer weniger als einen Dollar pro Tag zur Verfügung hatten, liegen durch einen Ausbau der Sozialleistungen inzwischen alle registrierten Personen über diesem Niveau. In den vergangenen Monaten hatte die Regierung deshalb verkündet, in Brasilien sei das Elend "ausgerottet". Diese Statistik basierte jedoch allein auf der Einkommensgrenze.

Laut der von "Folha" veröffentlichten internen Analyse zieht die Regierung zur Ermittlung der sozialen Lage jedoch weitere Maßstäbe heran. Während es demnach bei Wohnsituation, Familienstruktur und Kindererziehung Fortschritte gibt, liegt die Entwicklung von Bildungs- und Beschäftigungschancen weit zurück. Schon vor der jetzigen Publikation war die Armutsstatistik auf Kritik gestoßen, weil die Regierung bei der Berechnung der Einkommensgrenzen die Inflation von derzeit gut 6 Prozent außer Acht gelassen hatte. Würde diese berücksichtigt, rutschten laut brasilianischen Medien Millionen Bürger erneut unter die Elendsgrenze.

Quelle: KNA