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Zahl der Morde an Homosexuellen steigt

Mit 189 Opfern war 2009 das Jahr mit den meisten Morden an Homosexuellen in Brasilien. Homosexualität ist in Brasilien ein Paradoxon. Einerseits wird gerade Rio immer wieder als tolles Reiseziel für Schwule und Lesben angepriesen. 2008 startete der Präsident Luiz Inacio da Silva Lula landesweite eine große Kampagne gegen die Diskriminierung von Homosexuellen. Der Christopher Street Day ist nirgendwo auf der Welt so groß wie in Sao Paolo Auch die Gesetzgebung wurde im internationalen Vergleich relativ früh liberalisiert. Seit 2003 ist es in mehreren Bundesstaaten verboten Homosexuelle zu diskriminieren.

Weit verbreitete Intoleranz

Andererseits ist die Homophobie in Südamerikas größtem Flächenstaat ebenfalls besonders ausgeprägt. Und diese äußert sich nicht nur in alltäglicher Diskriminierung, sondern auch in Gewalt. Laut einer Studie der brasilianischen Menschenrechtsorganisation Grupo Gay de Bahia (GGB) wurden alleine im vergangenen Jahr 198 Homosexuelle, Bisexuelle und Transvestiten ermordet. Damit hält das Jahr 2009 einen traurigen Rekord. 2008 sind es 189 Fälle gewesen, 2007 waren es 122.

Bereits Ende der 1990er Jahre gab es immer wieder Medienberichte darüber, dass Todesschwaronen Homosexuelle verfolgen, da sie für die Verbreitung von HIV im Land verantwortlich gemacht wurden. Auch Amnesty International berichtete schon 2003 über die ausufernde Gewalt gegen Angehörige sexueller Minderheiten. Brasilien war bereits zu jenem Zeitpunkt das Land mit den meisten Morden an Homosexuellen.

Luiz Montt, Anthropologe und Gründer von GGB, sieht die stetige Zunahme der Mordfälle zum einen in der nach wie vor stark ausgeprägten Intoleranz im Land begründet. Zum anderen nennt er aber auch die generell steigende Gewalt in Brasilien als Grund. Ein weiterer Aspekt, der eine große Rolle spiele, sei außerdem die fehlende Ermittlung in den Mordfällen, so Montt.

Der Kampf gegen Homophobie

GGB entstand 1980 als erste Organisation für die Rechte Homosexueller und setzt sich seitdem gegen die Diskriminierung Schwuler und Lesben ein. Die Gruppe veröffentlicht zu diesem Zweck Informationen zum Homosexualität. Nur so könnten die Vorurteile ausgeräumt werden, die in der brasilianischen Gesellschaft weit verbreitet sind. GGB veröffentlicht jedes Jahr eine Studie über Gewalt gegen die Angehörigen sexueller Minderheiten. Dazu wertet sie landesweit Medienberichte aus. Dementsprechend lässt sich allerdings davon ausgehen, dass die Dunkelziffer der Verbrechen weitaus höher ist.

Montt fordert die Regierung auf, die bereits getane Arbeit als ungenügend anzuerkennen. Er fordert ausführliche Ermittlungen in den Mordfällen und weitere landesweite Kampagnen gegen Homophobie.

Text: aj