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Wissenschaftler warnen vor Schäden durch Wasserkraftwerke

Experten des brasilianischen Instituts für sozioökonomische Studien (Inesc) werfen der Regierung eine verhängnisvolle Fehleinschätzung bezüglich der 30 im Amazonasgebiet geplanten Wasserkraftwerke vor. Umwelt- und soziale Schäden würden schlicht nicht vorausgesehen, weshalb in den Planungen auch keine Linderung oder gar Vermeidung der Folgen vorgesehen sei.

Investitionen ins Blaue hinein

In einer kürzlich veröffentlichten Mitteilung fordern die Wissenschaftler die brasilianische Gesellschaft dringend zu einer gründlichen Diskussion der Folgewirkungen des Baus der Wasserkraftwerke auf. Es fehle nicht nur an Studien, sondern auch an einer Planung, wie die öffentlichen Gelder konkret verwendet werden sollten. Für die zweite Phase des umstrittenen Wachstumsbeschleunigungsplans sind Investitionen in Wasserkraftwerke in einem Umfang von fast 95 Milliarden Reais vorgesehen (umgerechnet etwa 38 Milliarden Euro). Bis Dezember 2011 hatte die Nationale Bank für wirtschaftliche und soziale Entwicklung für den Bau der Wasserkraftwerke bereits ein Kreditvolumen von rund 22 Milliarden Reais (8,8 Milliarden Euro) vergeben.

Betroffene Indigene interessieren nicht

Brasiliens Regierung rechtfertigt die riesigen Investitionen als strategische Weichenstellung für die Volkswirtschaft, deren Wachstum immer mehr Energie erfordere. Inesc-Wissenschaftlerin Alessandra Cardoso verweist in der Stellungnahme des Instituts auf die Erfahrung mit zwei Wasserkraftwerken am Rio Madeira. Mehr als vier Jahre nach Baubeginn stünden die Pläne zum Schutz des Landes der betroffenen indigenen Bevölkerung noch immer nur auf dem Papier. (bs)

Quelle: Agencia Pulsar