Kuba |

Wissenschaftler untersuchen Entwicklung des Spanischen auf Kuba

Kursteilnehmer in einem Englischkurs in Kuba (Foto: Adveniat/Martin Steffen)

Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) wollen erforschen, wie sich der Gebrauch der spanischen Sprache auf Kuba seit der Revolution 1959 entwickelt hat. Gemeinsam mit Sprachwissenschaftlern der Humboldt-Universität Berlin und der Universität Havanna wollen sie in den kommenden Jahren ein "linguistisches Korpus" erstellen, wie die FAU in Erlangen mitteilte. Darin sollen Medientexte, Debatten und Plakate im öffentlichen Raum erfasst werden. Die Textsammlung unter dem Namen "CORESPUC" soll permanent fortgeschrieben werden und Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen zur Verfügung stehen.

Als die größte der karibischen Inseln ist Kuba laut Mitteilung eine der letzten Bastionen des Kommunismus. Seit den politischen Revolutionen in den Ostblockstaaten und dem Zusammenbruch des sozialistischen Wirtschaftsraums sei das Land weitgehend isoliert und wage auch nach dem Tod des langjährigen Staatspräsidenten Fidel Castro 2016 nur zaghafte Schritte hin zu einer liberalisierten Wirtschaft und weltoffenen Politik. Diese Isolation mache das Land einerseits schwer zugänglich, andererseits aber zu einem "reizvollen Feld nicht nur für Historiker, Soziologen und Politologen, sondern auch für Sprachwissenschaftler".

Konzentration auf eine Tageszeitung

Da der öffentliche Gebrauch des Spanischen auf Kuba kaum dokumentiert und weitgehend unerforscht sei, solle diese Lücke nun geschlossen werden. "Wir werden uns zunächst auf die Ausgaben der Tageszeitung 'Granma' konzentrieren", sagte Silke Jansen. Nach den Worten der Inhaberin des Lehrstuhls für Romanistik an der FAU stehen die Ausgaben seit 2008 in digitaler Form zur Verfügung. Frühere Publikationen müssten aufwendig gescannt und mit automatischer Schrifterkennung decodiert werden. Allein die Beiträge der "Granma" umfassten mehr als eine Viertelmillion Seiten.

Für die Forscher von besonderem Interesse sei, auf welche Weise die Entwicklungen der kubanischen Gesellschaft auch im Sprachgebrauch widergespiegelt würden, so die Mitteilung. Zu fragen sei: Schafft sich die Revolution ihre eigene Sprache? Wie wird das politische Projekt der Revolution in der öffentlichen Sprache dargestellt? Ändert sich der Gebrauch von zentralen Schlagwörtern wie "revolucion", "socialismo", "capitalismo", "imperialismo", etwa mit der Machtübergabe Fidel Castros an seinen Bruder Raul oder im Zuge der jüngsten wirtschaftlichen und politschen Öffnung? (KNA)
 

Weitere Nachrichten zu: Panorama