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Wissenschaftler: Umweltzerstörung begünstigt Epidemien wie Corona

Der Umweltexperte Allan Carlos Pscheidt sagt voraus, dass die Zerstörung des Lebensraums von Tieren dafür sorgen wird, dass wir uns an Epidemien gewöhnen müssen.

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Im peruanischen Amazonas-Urwald zerstören illegale Goldgräber das empfindliche Ökosystem und hinterlassen auf Jahrzehnte eine verseuchte Mondlandschaft. Foto: Adveniat/Tina Umlauf

In einem Interview, das auf der Website der brasilianischen Wochenzeitung „Brasil de Fato“ erschienen ist, erklärt Allan Carlos Pscheidt, die Corona-Pandemie sei Folge der Umweltzerstörung durch den Menschen. Der Professor am Centro Universitário das Faculdades Metropolitanas Unidas (FMU) in São Paulo sieht die zunehmende Urbanisierung als Nährboden für die Verbreitung von Viren. Die Coronakrise sei ein Weckruf, den exzessiven Konsum in Frage zu stellen und der Zerstörung des Planeten Einhalt zu gebieten. In der globalisierten Welt müssten wir uns darauf einstellen, dass Epidemien keine Einzelfälle bleiben.

Brasil de Fato: Warum ist der Umweltschutz wichtig, um die Verbreitung von Krankheiten wie Covid-19 aufzuhalten?

Allan Carlos Pscheidt: Wir erleben ein starkes urbanes Wachstum und eine zunehmende Industrialisierung. Ein immer schnelleres Wachstum führt auch zu Abholzung und dem Eindringen von Menschen in früher geschützte Gebiete. Die Folge ist, dass Krankheiten verbreitet werden, die zuvor zurückgehalten wurden, zum Beispiel in Höhlen. Alles spricht dafür, dass der Ursprung des Coronavirus, der Covid-19 verursacht, bei Fledermäusen liegt, die in Höhlen leben.

Wir Menschen lassen Städte sich ausdehnen, wir schaffen die notwendige Infrastruktur, um dem Bevölkerungswachstum Rechnung zu tragen. Für die Natur freilich ist das schlecht. Häufig war ein von Menschen besiedeltes Gebiet eines, das zuvor von Tieren besiedelt war. Was Fledermäuse betrifft, so neigen diese biologisch gesehen dazu, Krankheiten zu bekommen.

Was ließe sich denn tun?

Wir müssen für mehr Umweltschutz sorgen, das ist sehr wichtig. Das lässt sich übrigens mit Tourismus verbinden: zum Beispiel Parks, die für touristische Aktivitäten genutzt werden, aber auch Gebiete, zu denen der Zugang beschränkt ist. Es gibt in Brasilien zum Beispiel Berggipfel, zu denen ausschließlich das Militär Zugang hat. Die Bevölkerung muss ihren Beitrag zum Schutz bedrohter Gebiete leisten und einen solchen Beitrag auch von den Regierungen und den Unternehmen einfordern. Wenn man solche Gebiete isoliert, muss man sich keine Sorge darüber machen, dass irgendeine Krankheit von dort plötzlich bei uns auftaucht.

Auch der Klimawandel ist zu beachten. Wenn in Russland zum Beispiel die Permafrostböden auftauen, wissen die Leute nicht, welche Art von Virus in diesen womöglich seit Millionen von Jahren eingefroren war. Wir müssen die Gegenden im Auge behalten, die künftig vom Klimawandel betroffen sein könnten. Wir haben nur diesen einen Planeten.

Wenn die Menschen entdecken, dass Viren und Krankheiten von Tieren ausgehen, werden diese als Feinde angesehen. Warum sollten wir Tiere nicht als Feinde ansehen?

Das Gleiche, was jetzt mit dem Coronavirus und den Fledermäusen geschieht, passierte in Brasilien kürzlich mit dem Gelbfieber und den Affen. Es ist einfach falsch, dass die Leute denken, dieses Tier, das das Virus verursacht, muss jetzt ausgemerzt werden. Das Tier ist Träger des Virus und es kommt darauf an, das dieses nicht auf den Menschen übertragen wird. Das passiert aber nur bei einem direkten Eingreifen, das zu Kontakt mit dem Tier führt. Wer einen toten Affen auf dem Waldboden findet, weiß sofort, dass es einen Ausbruch des Virus gab, dass der normale Zyklus des Virus durchbrochen wurde. Das Beste ist immer, nicht in die Natur einzugreifen, alles so geschehen zu lassen wie es immer geschah.