|

Wissenschaftler: Neues Verständnis von Armut nötig

Nach Ansicht des Wirtschaftswissenschaftlers Abhijit Banerjee liegt dem Verständnis von Armut in der Dritten Welt eine Fehleinschätzung zugrunde. Diese müsse dringend korrigiert werden, um Hilfe künftig wirksamer zu gestalten, forderte der am Massachusetts Institute of Technology in Boston arbeitende Forscher im Gespräch mit dem Münchner Magazin "Focus". Darin kritisierte er, dass viele der gängigen Thesen über die Ärmsten der Erde auf einem falschen Menschenbild basierten. Kleine Alltagsfreuden etwa, die das Leben erleichterten, seien für die Armen nicht weniger wichtig als für andere Menschen.

Als Beispiel nannte Banerjee, dass Slum-Bewohner etwa ein Fernsehgerät kauften, auch wenn sie sich nicht genug zu essen leisten könnten. Bei der Entwicklung von Hilfsmaßnahmen müssten deshalb menschliche Schwächen wie fehlende Selbstdisziplin bedacht werden. Der Forscher befasst sich nach Angaben des Magazins mit jenen 13 Prozent der Weltbevölkerung, die ihren Lebensunterhalt mit weniger als einem Dollar am Tag bestreiten. Er stütze seine Erkenntnisse auf viele wissenschaftliche Studien, mit denen die Wirksamkeit von Hilfsprogrammen getestet worden sei. Sein Buch "Poor Economics: Plädoyer für ein neues Verständnis von Armut" erscheint in diesen Tagen auf Deutsch.

Quelle: KNA