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„Wirtschaftliche Interessen bedrohen Amazonasregion“

Adveniat-Geschäftsführer Prälat Bernd Klaschka
Adveniat-Geschäftsführer Prälat Bernd Klaschka

Adveniat-Geschäftsführer Prälat Bernd Klaschka hat Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff aufgefordert, entschieden für eine gerechtere und solidarischere Weltgesellschaft einzutreten. Im Hinblick auf den UN-Nachhaltigkeitsgipfel Rio+20 fürchtet Klaschka, dass das herrschende Entwicklungsmodell nicht hinterfragt und ein Bild gezeichnet werde, in dem sich die Länder einen grünen Anstrich gäben. Die Partner Adveniats bezeugten hingegen, dass auch Brasilien eine ambivalente Rolle im Hinblick auf den Umweltschutz spiele und dass der öffentliche Diskurs nicht übereinstimme mit der Realität. „Die Tatsache, dass wirtschaftliche Interessen speziell im Hinblick auf Agrarprodukte und Bodenschätze Vorrang haben, bedroht explizit die Amazonasregion mit den dort lebenden Völkern“, heißt es in Klaschkas Brief vom 19. Juni 2012.

Adveniat beobachte, dass Projekte innerhalb des Wachstumsbeschleunigungsprogramms ohne einen partizipativen Dialog mit der Zivilgesellschaft durchgeführt würden. Ein Beispiel dafür ist laut Klaschka der Bau von Wasserkraftwerken, wie zum Beispiel Belo Monte, durch die indigene Völker und Flussrandbewohner bedroht würden. „Darin offenbart sich ein Modell, das Entwicklung um jeden Preis umsetzt und ethische Fragen, Fragen der sozialen Gerechtigkeit und die Interessen der traditionellen Gemeinden, der afrobrasilianischen Bevölkerung und der Flussrandbewohner missachtet“, heißt es in dem Schreiben an Rousseff weiter.

Seit mehr als 50 Jahren ist es Aufgabe des Lateinamerika-Hilfswerkes Adveniat, eine Aktion der Solidarität zu sein zwischen den Menschen in Deutschland und den Völkern Lateinamerikas und der Karibik. Da Adveniat die Ortskirchen in Lateinamerika in ihrer Option für die Armen unterstützt, „sind wir präsent inmitten der benachteiligten Bevölkerung“, betont Klaschka. Im Einklang mit den Partnern gebiete die Verpflichtung für das Evangelium, „aufmerksam und ständig die sozialen und ökologischen Folgen politischer und wirtschaftlicher Entscheidungen zu begleiten“. Trotz der beunruhigenden Signale hofft der Adveniat-Geschäftsführer, dass die brasilianische Regierung zusammen mit den anderen Delegationen der UNO-Konferenz „die Zeichen der Zeit erkennt, den Schrei der Völker hört und die notwendigen Schritte tut im Hinblick auf die Schaffung einer gerechteren und solidarischeren Weltgesellschaft“.