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"Wir stellen uns der Gier der gesichtslosen Monster"

Statement der CAOI (Coordinadora Andina de Organizaciones Indígenas)

An diesem 9. August 2012, dem internationalem Tag der indigenen Völker, befindet sich die indigene Bewegung in angeregter Diskussion über globale Politik, bereits in der Vorbereitung auf die Weltkonferenz der indigenen Völker, die von den Vereinten Nation für das Jahr 2014 einberufen wurde. Ihr politisches Handeln zum Schutz der eigenen Rechte und Erhaltung der Natur hatte in der Vergangenheit nicht nur Auswirkungen auf kommunaler Ebene, sondern forderte auch das Model einer globalen Hegemonie heraus, welches immer mehr in der Krise steckt.

Die indigene Bewegung versteht die westliche Weltordnung und wir antworten darauf mit unseren eigenen Vorschlägen. Die westliche Kultur hingegen hat erst in letzter Zeit, als ihre sämtlichen Paradigmen - wie die freie Marktwirtschaft, der Nationalstaat, repräsentative Demokratie, Wachstum und Entwicklung - in der Krise steckten, damit begonnen neue Antworten in unserem überliefertem Wissen und Methoden des Dialogs und unserer Harmonie zur Mutter Erde zu suchen, da ihre Alternativen es nicht einmal schaffen die eigenen Länder zu überzeugen.

Einige dieser Staaten nehmen sogar Ansichten der indigenen Völker in ihre Diskurse auf, wie zum Beispiel das Konzept des Nationalitätenstaats und das Prinzip des „Buen Vivir“. Aber es handelt sich hierbei lediglich um leere Diskurse, da sie weiterhin an dem Model der neoliberalen Wirtschaft festhalten, welches unvereinbar mit einer Umsetzung dieser Paradigmen ist.

"Wir haben uns Gehör verschafft"

Und so haben wir, die indigenen Völker und ihre Organisationen, es mit sicheren Schritten geschafft unseren Einfluss im globalen Kontext zu verstärken: wir nehmen an internationalen Diskussionen teil und haben uns in ihnen Gehör verschafft. Um unsere Organisationen zu stärken, bilden wir uns weiter und trainieren neue Führungskräfte mit besonderer Berücksichtigung auf Frauen und Jugendliche.

Und auf diesem beständigem Weg machen wir uns alle technologischen Werkzeuge zu Nutzen, um zu überzeugen. Wir sind keine Barbaren oder Wilde, noch weniger Terroristen, wie manche Staaten und internationale Kooperationen uns abstempeln wollen. Wir sind Söhne und Töchter der Mutter Erde, die wir lieben und mit unserem Leben beschützen.

Der Prozess, dem wir uns stellen, ist ein sehr schwerer, da die verschiedenen Staaten Eingliederung mit Assimilation gleichsetzen, was eine andere Form der kulturellen Auslöschung bedeutet und die Vielfältigkeit im Lande nicht anerkennt. Daher entwerfen sie keine öffentlichen interkulturellen Maßnahmen zur Gesundheit, Bildung, Gerechtigkeit und wirtschaftlicher Produktion. Deshalb mangelt es an entsprechender Politik angesichts des Klimawandels. Sie halten sich nicht einmal an die vereinbarten Abkommen des Rio+20- Gipfel und zeigen nur dann Präsenz in unseren Gebieten, um uns zu unterdrücken und die natürlichen Ressourcen der Mutter Erde auszubeuten und zu vernichten.

"Wir stellen uns der Gier der gestichtslosen Monster"

Wir stellen uns ebenfalls der Gier dieser gesichtslosen Monster mit Namen: den internationalen Konzernen und ihrem Hunger nach natürlichen Ressourcen, die in unseren Gebieten heimisch sind und in lukrative Megaprojekte gewandelt werden sollen. Konzernen, denen ihre immense wirtschaftliche Macht erlaubt Gesetze straflos zu verletzen. Vor langer Zeit schon haben sie die Staaten gekauft und heute kaufen sie sich ebenfalls internationale Organisationen, sodass es keine Mechanismen mehr gibt, um ihr Handeln zu überprüfen und zu regulieren. Daher können sie ihre wirtschaftlichen Interessen und Normen der Weltwirtschaftsorganisation aufzwingen. Immer um unsere Gebiete, überliefertes Wissen und natürliche Ressource in ihre Gewalt zu bekommen.

Und während dieses schwierigen Prozesses stellen wir uns ebenfalls der Verletzung unserer Rechte und der Militarisierung unserer Gebiete. Wir sehen diese Verletzungen bei den Nasa, Embera und anderen Völkern in Kolumbien, in Chile mit den Mapuches, in Guatemala mit den Mayas, mit den Quechuas, Aimaras und Kichwas in Peru, Bolivien und Ecuador. Es existiert eine wachsende Ablehnung der Verbrechen und der Militarisierung im ganzen Kontinent, da die Staaten keine Sicherheit in unseren Gebieten garantieren können, wo offizielle und inoffizielle Mächte Kriege miteinander führen, die nicht die unseren sind.

Um uns diesen Herausforderungen zu stellen, besinnen wir, die indigenen Völker, uns zurück auf unser Recht der freien Meinung, was wir in diesem Zusammenhang ebenfalls als strategisches Werkzeug betrachten. Und wir fordern von den Massenmedien, dass sie uns repräsentieren, nicht als Folklore sondern in unserer realen Dimension, damit das Stigmata der „Veralteten Ureinwohner“ beendet wird und man erkennt, dass wir viel zu bieten haben um eine Zukunft für alle zu garantieren.

Am 9. August, dem internationalen Tag der indigenen Völker, debattieren wir, die indigenen Völker und ihre Organisationen, und diskutieren Beiträge, damit der Nationalitätenstaat und das Prinzip des „Buen Vivir“ zur Realität wird, um auf die Anerkennung der Rechte unserer Mutter Erde zu bestehen und von dort aus eine neue zivile Weltanschauung zu errichten, die für Frieden und Gerechtigkeit sorgt.

Quelle: Adital, Text: Coordinadora Andina de Organizaciones Indígenas (CAOI) (Dachverband der Indigena-Organisationen in den Anden), Übersetzung: Hannah Simon.

Tipnis-Protest-Marsch überquert den 4650 m hohen “Abra la Cumbre“. Foto: Adveniat/Escher