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"Wir haben immer noch eine Macho-Justiz"

Seit nunmehr fünf Jahren trägt das Gesetz zum Schutz von Frauen vor häuslicher Gewalt ihren Namen. Nun zog die 71-jährige Maria da Penha Maia Fernandes eine ernüchternde Bilanz ihres Kampfes gegen gewalttätige Männer.

Brasiliens Justiz sei immer noch in der Hand machistischer Richter, so da Penha in einem Interview mit dem Nachrichtenkanal Terra. "Nur wer unser Justizsystem nicht kennt, denkt, dass es gerecht ist". Sieben Jahre lang durchlebte Maria da Penha die Hölle. Ihr Mann, mit dem sie drei Kinder hat, ging gewaltsam gegen seine Ehefrau vor. 1983, am Ende der Beziehung, versuchte er sie zuerst durch einen vorgetäuschten Überfall zu töten. Seitdem sitzt Maria im Rollstuhl, ihr Körper ist zum großen Teil gelähmt. Danach versuchte der Mann die hilflose Frau abermals zu töten, dieses Mal mit Stromschlägen.

Von den neun Jahren Gefängnis, zu denen ihr "Aggressor" verurteilt wurde, musste er lediglich zwei absitzen. Sehr zum Unmut Marias, die ihren Fall bis vor den Menschenrechtsgerichtshof der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) brachte.

Gesetz bleibt Theorie

Maria wurde zu Brasiliens erster Fürsprecherin für den Schutz von Frauen vor häuslicher Gewalt. Ihr unermüdlicher Kampf endete mit der Verabschiedung des nach ihr benannten Gesetzes am 7. August 2006. Es sieht verschärfte Strafen für im häuslichen Rahmen verübte Gewalt vor. Demnach stehen bedrohte Frauen unter besonderem Schutz durch den Staat, der zudem dafür sorgen muss, den Aggressor, sprich den Ehemann, von ihr fern zu halten. Die Realität, so Maria heute, sieht meist jedoch anders aus.

Lediglich in gut 10% aller brasilianischen Gemeinden verfügen Frauen über Ansprechpartner für ihre Anliegen, in denen sie rechtliche Beratung und psychologischen Beistand bekommen. "Wir haben festgestellt, dass das Gesetz nur in den großen Städten wirklich funktioniert", so Maria. Immer noch wiederholten sich Geschichten wie ihre in den Familien, wobei die Frauen oft nicht wissen, wie sie der Gewalt entgehen sollen. Selbst wenn die Opfer über ihre rechtlichen Möglichkeiten informiert seien, fehle es ihnen an den entsprechenden Ansprechpartnern.

Männer mit Entscheidungsmacht

Und selbst wenn die Fälle vor Gericht kommen, können die Frauen nicht immer damit rechnen, den ihnen von Gesetz her zustehenden Schutz zu erhalten. "Es gibt solche und solche Richter, und ihr Verhalten ist von der vorherrschenden Kultur geprägt," berichtet Maria. "Sie sind in einer machistischen Kultur groß geworden, in der der Mann alles darf und die Frau keine Rechte hat. So ist es bis heute, aber das muss sich ändern."

Maria da Penha ist heute dreifache Großmutter, darunter zwei Enkelinnen. Was sie den Mädchen auf den Weg geben möchte? "Dass sie niemals zulassen mögen, dass irgend ein Mann sie schlecht behandelt."

Autor: Thomas Milz