Paraguay |

Wieder Zwangsräumung von Bauern

Über 400 Polizisten haben am Montag eine von landlosen Bauern besetzte Farm im Südosten von Paraguay geräumt. Laut der paraguayischen Tageszeitung „ABC Color“ hielten die rund 250 Bauern das 4500-Hektar-Areal der argentinischen Rinderzuchtfirma Pindó S.A. in der Kolonie Naranjito im Verwaltungsbezirk Yvyrarovana im Departamento Canindeyú seit rund einem Jahr unter ihrer Kontrolle. Sie fordern Landrechte und die Freilassung von in der Hauptstadt inhaftierten Mitstreitern.

Bei der Polizeiaktion, die von Staatsanwalt Jalil Rachid durchgeführt wurde, sei ein 29 Jahre alter Missionar verhaftet worden, so “ABC Color”. Bei Ankunft des massiven Aufgebots der in schwarz gekleideten Ordnungskräfte seien die Besetzer ins umliegende Gelände geflüchtet. Um die Rückkehr von Bauern zu verhindern verbleiben rund 30 Beamte der Spezialpolizei “Einheit für Sonderoperationen” (GEO) vor Ort.

Der umstrittene Staatsanwalt Jalil Rachid führt auch beim in der Hauptstadt Asunción laufenden Verfahren im Fall des “Massakers von Curuguaty” die Anklage. Bei Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Bauern im Juni 2012 waren elf Besetzer des Grundstücks eines Großgrundbesitzers und sechs Uniformierte ums Leben gekommen. Vor Gericht stehen nun zwölf Bauern, die bei der bisher aus noch ungeklärten Gründen eskalierten Räumung vor Ort waren.

Doch steht das Verfahren derzeit auf der Kippe. Die Anwälte der Verteidigung lehnten die vorsitzende Richterin Janina Ríos wegen Befangenheit zugunsten des Staatsanwaltes letzte Woche ab. Ríos hatte ein gefundenes Gewehr als Beweisstück der Anklage zugelassen, obwohl sich die halbautomatische Waffe zum Zeitpunkt des Blutvergießens bei seinem Besitzer, einem alten Armee-General befunden habe, berichtete das Nachrichtenportal „Paraguay.com“. (bb)