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Wie der Bergbau eine Gemeinde spaltet

Tagebau Mine Adveniat

Im Tagebau "El Escobal" in Guatemala wird Silber abgebaut. Foto (Symbolbild): Adveniat/Achim Pohl

Für die einen ist die Goldmine Pueblo Viejo nahe des gleichnamigen Ortes in der Dominikanischen Republik ein wahres Monster. Ein Monster, das niemals schläft, wie die spanische Tageszeitung „El País“ schreibt. Ein Ungeheuer, das Flussläufe trockenlegt und pausenlos Rauch ausstößt. 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Nach Ansicht vieler Einwohner werden dem Gott des Goldes menschliche Opfer dargebracht. Hier, 100 Kilometer von der Hauptstadt Santo Domingo entfernt, hat die Dominikanische Republik nichts von einem Touristenparadies. Ein 300 Meter tiefer Riss in der Erde zieht sich über mehr als zwei Kilometer, wie eine gigantische Wunde. Es handelt sich um die zweitgrößte Mine im Tagebau auf der Welt. Dem kanadischen Betreiber Barrick Gold zufolge reichen die Goldvorkommen der Mine, die 2012 in Betrieb ging, für über 25 Jahre. Silber wird ebenfalls gefördert. In den Worten von „El País“ würden sich die spanischen Conquistadoren wohl im Grab umdrehen, wüssten sie von den Schätzen. Sie hatten die Lagerstätte entdeckt, später aber aufgegeben, da sie ihnen wenig ergiebig erschien. Fünf Jahrhunderte später kommt mit Barrick der größte Goldproduzent der Welt zum Zug.

Staub und Lärm, jahraus, jahrein 

Beim Start handelte es sich um die größte ausländische Investition in der Dominikanischen Republik aller Zeiten. Die Regierung feierte die Steigerung der staatlichen Einnahmen; die gesamte Bevölkerung werde hiervon Nutzen haben, hieß es. Die Dinge entwickelten sich allerdings anders. Die kleinen Campesino-Gemeinden rund um die Mine wurden zu Leidtragenden. Ununterbrochen transportieren Dutzende riesiger Lastwagen jeweils 200 Tonnen Gesteinsmasse. Staub und Lärm sind hier Alltag. Für die Goldgewinnung kommen das berüchtigte Zyanid und andere giftige Substanzen zum Einsatz. Zwecks Zurückhaltung der in der Produktion anfallenden Abwässer wurde ein großer Staudamm errichtet. Mit Protesten setzten sich Gemeindebewohner gegen die Mine zur Wehr, die das Land zerstört, auf dem die Familien seit Generationen leben. Das Wasser wurde im Lauf der Zeit immer knapper, Waschen und Kochen waren nur noch eingeschränkt möglich. Mit Wasser, das infolge des Bergbaus verseucht sein könnte, wie viele fürchteten. Tiere starben, nachdem sie das Wasser getrunken hatten. Kinder konnten nicht mehr, wie ihre Eltern früher, unbeschwert im Fluss baden. Die Ernte verdirbt. Mindestens 600 Familien gelten als von der Mine bedroht. 

Staumauer als Zeitbombe wahrgenommen

Es geht die Sorge um, dass die Mauer des Staudamms plötzlich einstürzen und das Tal überflutet werden könnte. Vor einigen Monaten versetzten mehrere kleine Erdstöße die Menschen in Angst und Schrecken, viele flohen in Panik mitten in der Nacht aus ihren Häusern. Eine Bewohnerin spricht von einer Zeitbombe, die ticke. Wenn die Mauer breche, seien sie alle tot - lebendig begraben. In der Resignation der Anwohner kommt auch das geringe Vertrauen zum Ausdruck, das sie in die Institutionen der Dominikanischen Republik haben. Inzwischen wird nicht mehr die Schließung der Mine gefordert. Die Menschen haben verstanden, dass das Monster stärker sei als sie, wie es „El País“ formuliert. Sie verlangen jetzt die Umsiedlung der betroffenen Gemeinden an Orte, an denen ihre Gesundheit weniger stark bedroht sei. Im November 2017 ketteten sich einige Demonstranten aus Protest neben dem Eingang zur Mine an. Die Aktion fand auch international ein Echo in den Medien. Die Protestierenden wollen nicht locker lassen, bis ihre Forderungen erfüllt sind. Der für den Bergbau zuständige Minister Antonio Isa Conde indes beharrt darauf, dass eine Verseuchung des Wassers und des Bodens nicht bewiesen sei. Es gebe  keine konkreten Gesundheitsrisiken. Man habe Fische in den Flüssen der Region ausgesetzt, diese hätten sich fortgepflanzt. 

Gegner und Befürworter bekämpfen sich 

Die Campesinos werfen der Regierung vor, dass der Minister und die gesamte Regierung sich von Barrick Gold hätten kaufen lassen und deshalb nicht handelten. Nicht von der Hand zu weisen sind aber die üppigen Einnahmen, die die Mine dem dominikanischen Staat verschafft. Allein 2013, im ersten Jahr des Betriebs, ging mehr als die Hälfte des Wachstums des Bruttoinlandsprodukts auf Barrick Gold zurück. Für das kanadische Unternehmen wiederum ist es eine seiner rentabelsten Minen weltweit. Barrick Gold betont, dass sämtliche Inspektionen im Laufe der Jahre die Vorwürfe entkräftet hätten. Man habe zur nachhaltigen Entwicklung der Region beigetragen und zahlreiche Projekte in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Sport und Umwelt finanziert. Für die Gegner der Mine handelt es sich schlicht um geschicktes Marketing, mit dem der Multi sein Image aufpolieren will und hiermit sogar manche Mitbewohner für sich gewinnt. Es gibt auch jene Menschen, die Barrick dankbar sind für die entstandenen Arbeitsplätze in einer Gegend, die ansonsten wenig Beschäftigung bietet. Befürworter werfen den Gegnern sogar vor, eigentlich nur auf eine Entschädigung zu schielen. Das Klima zwischen den Menschen ist vergiftet.

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