Bolivien |

Widerstandskämpferin Domitila Changara verstorben

Die Gewerkschafterin, Frauenrechtlerin und Widerstandskämpferin Domitila Changar, ist gestern im Alter von 74 Jahren an Lungenkrebs verstorben. Changar hatte Ende 1977 einen erfolgreichen Hungerstreik mit angeführt, mit dem Diktator Hugo Banzer dazu gebracht werden sollte, eine politische Amnestie auszurufen, Wahlen durchzuführen und wieder zu demokratischen Verhältnissen zurückzukehren. Binnen weniger Tage hatten schlossen sich tausende Bolivianer dem Hungerstreik an.

Wegbereiterin der Demokratie

Die Kommunikationsministerin Amanda Dávila erklärte gegenüber der Presse, Bolivien befinde sich in tiefer Trauer wegen des Todes der „Revolutionsführerin, die für den Kampf des ganzen bolivianischen Volkes um Demokratie“ stehe. Die Regierung ordnete gestern eine dreitägige Staatstrauer an.

Changar wurde 1937 in Pulacayo in der Bergbauregion Potosí geboren und war von klein auf mit der harten Lebensrealität der Minenarbeiter konfrontiert. Sie hat elf Kinder geboren, von denen sieben noch am Leben sind. Ein ungeborenes Kind verlor sie nach Inhaftierung und Folter durch Militärs Ende der 1960er Jahre, als das Regime von René Barrientos gegen Widerstand der Arbeiter von Catavi und Llallagua gegen die Ausbeutung der Minenarbeiter durch Großunternehmen vorging.

Lange Zeit führte sie die „Gewerkschaft der Hausfrauen der Minenarbeiter“ an. Später setzte sie sich zunehmend auch für Frauenrechte ein. Changar kämpfte bereits seit mehreren Jahren gegen verschiedene Krebserkrankungen. (bh)