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Widerstand in ältester Favela

In der ältesten Favela Brasiliens Morro da Providencia wollen die Bewohner sich den Sanierungsplänen der Regierung für die Fußballweltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Sommerspiele 2016 nicht beugen. Die Pläne für den Umbau der Innenstadt Rio de Janeiros beinhalten den Bau einer Seilbahn in dem Viertel rund um den Hafen. Für diese Pläne sollen 1.000 der ca. 5.000 Menschen, die in der Favela leben, umgesiedelt werden.

Nach Angaben der Nachbarschaftsorganisation von Morro da Providencia lautet die offizielle Begründung für diese geplante Umsiedlung, dass die Betroffenen in einer Risikozone für Erdrutsche leben und aus diesem Grund ihre Häuser verlassen sollen. Die Sprecherin der Organisation, Maria Helena Santos, sieht darin allerdings einen Vorwand: „ Der Bürgermeister missbraucht den Begriff Risikozone, um die vorgesehenen Projekte für die Olympischen Spiele umsetzen zu können“. Der Stadtrat bietet den Familien eines von den 800 für diesen Zweck erbauten Häusern an. Sollten sie dies ablehnen, erhalten die Bewohner von Morro da Providencia alternativ eine Zahlung von ca. 15.000 US-Dollar. Keine der Lösungen sehe jedoch vor, dass die Menschen in ihrem Viertel bleiben können, so Santos.

Die Umsiedlung eines Fünftels der Bewohner von Morro da Providencia wird als Teil einer langfristigen Strategie gewertet, die das Stadtzentrum von Rio und andere Großstädte des Landes für die anstehenden sportlichen Großereignisse touristisch attraktiv und sicher machen soll. Die Regierung sieht vor, alle 40 Armenviertel Brasiliens zu befrieden. Seit 2008 werden immer wieder Favelas unter staatliche Kontrolle gebracht. (aj)