Haiti |

Wichtige kirchliche Einrichtungen zerstört

Das Erdbeben vom 12. Januar hat große Teile der haitianischen Hauptstadt Porte-au-Prince schwer getroffen. Und es hat Vieles zerstört, was die Katholische Kirche in den vergangenen Jahren aufgebaut hat: Die Kathedrale in der Hauptstadt, die bereits einmal abgebrannt und wieder errichtet worden war, ist eingestürzt. Die erzbischöfliche Kurie direkt dahinter, in der auch das katholische „Radio Soleil“ untergebracht ist, ist schwer beschädigt. Der Erzbischof der Hauptstadt, Mgr. Serge Miot, konnte nach Berichten französischer Ordensleute nur tot aus den Trümmern der Kurie geborgen werden. Der Generalvikar des Erzbistums, Mgr. Benoît Seguiranno, wird noch vermisst.
Bilder, die Menschen über das Internet veröffentlichen, zeigen die Kathedrale in Trümmern, umgeben von brennenden Häusern. Direkt gegenüber der Kathedrale hatte auch die Caritas von Porte-au-Prince einen wichtigen Stützpunkt. Etliche Allradwagen, die für Einsätze in der weitläufigen Diözese gebraucht werden, waren dort abgestellt. Die Kurie liegt gleich daneben und war täglich Anlaufpunkt hunderter Menschen, die Hilfe und Unterstützung suchten.

Das Priesterseminar im Ortsteil Turgeau in der Hauptstadt Porte-au-Prince ist eingestürzt – den Rektor des Seminars, Pater Boucicaut, konnten die Überlebenden nur mit Hilfe einer Metallsäge aus den Trümmern retten.
Das Beben forderte nach Angaben der Nuntiatur auch viele Opfer und den Seminaristen und Priestern.
Auch die Kirche Sacre-Coeur, eine der größten Kirchen der Stadt, liegt in Trümmern.
In einer Mail schilderte am Morgen des 13. Januar der Orden der Montfortaner-Patres die Situation in der Hauptstadt: „Unsere Kapelle und der Kindergarten der Pfarrei sind zerstört. Alle Häuser, die vorher über uns an den Hang gebaut waren, sind heruntergekommen. In den Straßen laufen ungeheuer viele Mensche, schreien, weinen, wissen nicht, wie sie Opfer bergen sollen. Wenn der Morgen genug Licht bringt, werden wir beginnen, die Toten zu zählen… In den Bidonvilles, den Armenviertel an den Berghängen, muss es noch viel schlimmer sein…“

Auch andere Landesteile Haitis betroffen

Nicht nur die Hauptstadt Porte-au-Prince, sondern vor allem auch Orte im Süden Haitis sind betroffen. Pater Nelson Andrefaite, Pfarrer in Bainet im Süden Haitis, berichtete in einer Mail an Adveniat, dass die Pfarrkirche und vier Kapellen zerstört seien. „Die Gemeinde zählt auf Ihr Gebet und Ihre Unterstützung“, schreibt Pater Nelson.
Im Landesinneren Haitis wird die Lage ebenso katastrophal sein: Hier gibt es ohnehin kaum Stromversorgung, und die Kommunikationsverbindungen und Straßenverhältnisse sind seit Jahren schlecht. Es wird Tage dauern, bis Hilfstrupps auch die abgelegenen Dörfer erreichen werden.

Der Vorsitzende der Haitianischen Bischofskonferenz, Mgr. Louis Kébreau von Cap Haitien, berichtet von Panik auch in der im Osten des Landes gelegenen zweitgrößten Stadt Haitis. Es habe Erdstöße gegeben, dazu kommen starke Regenfälle: Beides habe dazu geführt, dass die Gefahr bestehe, dass Häuser abrutschten. Die Menschen hätten begonnen, aus Angst vor Erdrutschen die bedrohten Gebiete zu verlassen. Die meisten Gebäude hätten das Beben relativ gut überstanden, doch sei das Beben noch so stark gewesen, dass in der Kathedrale das große Kreuz sich aus seiner Deckenverankerung gelöst habe und heruntergestürzt sei. „Wir haben weiterhin keine Kommunikationsverbindung mit der Hauptstadt“, schreibt Erzbischof Kébreau an Adveniat. „Es herrscht allgemeine Panik.“

Text: Christian Frevel