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Weniger Bolivianer nennen sich Indigene

La Paz. Der Anteil der Bolivianer, die sich als Indigene bezeichnen, ist seit der Volkszählung von 2001 von 61,3 auf 41 Prozent gesunken. Die kirchliche entwicklungspolitische "Stiftung Jubileo" in La Paz nannte den Rückgang in einer Mitteilung am Montag "erstaunlich und beunruhigend". Der beim jüngsten Zensus 2012 ermittelte und jetzt veröffentlichte Wert sei vor dem Hintergrund zu sehen, dass Bolivien erstmals in Evo Morales einen indigenen Präsidenten habe, der sich um eine Stärkung der Rechte von Indigenen bemühte.

Ein möglicher Grund für die um ein Drittel niedrigere Selbstbezeichnung als Indigene könne eine Distanzierung gegenüber der Politik von Morales sein. Auch spiegele sich darin vielleicht die Diskussion vor der Volkszählung vom November 2012 wider, ob "Mestizen" ("Mischlinge") als eigene Volksgruppe eingestuft werden sollten oder nicht, so die Stiftung. Der Fragebogen sah als Auswahlmöglichkeiten für ethnische Zugehörigkeit lediglich "Indigene" (einschließlich afrobolivianisch) oder "keine" vor.

Eine weitere Überraschung, die die Zahlen in sich bergen: Die vorläufigen Ergebnisse vom Januar wurden deutlich korrigiert und nach den nun endgültigen Zahlen hat das Departament La Paz 50.000 Einwohner mehr als Santa Cruz. Das war im Januar noch umgekehrt. Die Zahlen haben Einfluss auf die Verteilung der Abgeordnetensitze – und auf die finanziellen Mittel. Mittlerweile hat die Regierung selbst einen Konsistenztest der Ergebnisse vorgeschlagen, und es soll eine postzensale Befragung geben um den Deckungsgrad der Zählung festzulegen. Die Bewohner und die Politiker der Region Santa Cruz sind aufgebracht. Der Gouverneur von Santa Cruz hat die Volkszählung als “statistischen Völkermord” mit politischer Motivation bezeichnet und in Facebook erschien eine Traueranzeige mit Bitte um eine Schweigeminute für die mehr als 120.000 Cruceños, die seit Januar “verschwunden” sind. Ruben Costas, Gouverneur in Santa Cruz, fordert einen neuen Zensus für 2015, obwohl der nur alle 10 Jahre stattfindet.

Quelle: KNA und Rundbrief "Stiftung Jubileo"