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Welttag gegen den Einsatz von Kindersoldaten

Am 12. Februar wird der 10. Welttag gegen den Einsatz von Kindersoldaten, der so genannte Red Hand Day, begangen. Der Tag wurde ins Leben gerufen, als am 12. Februar 2002 der Missbrauch von Kindern als Soldaten gemäß eines Zusatzprotokolls der UN-Kinderrechtskonvention verboten wurde.

 

Die Zahlen der Kindersoldaten in Lateinamerika sind zwar rückläufig, doch Schätzungen zufolge werden alleine in Kolumbien 11.000 bis 14.000 Kinder von den beiden großen Guerilla-Fraktionen FARC und ELN als Soldaten eingesetzt. Sie werden im Kampf mit der Waffe ausgebildet, in die Herstellung von Bomben eingeweiht und lernen militärische Strategien kennen. Die Jüngsten unter ihnen werden vornehmlich zur militärischen Aufklärung und zu Botendiensten eingesetzt. Sowohl Mädchen als auch Jungen werden auch sexuell ausgebeutet. Bei Fluchtversuchen, Befehlsverweigerungen oder Unfähigkeit, einen Befehl auszuführen, werden sie kaltblütig getötet.

 

In Kolumbien hat es oftmals den Anschein, als beruhe die Rekrutierung zum Kindersoldaten auf Freiwilligkeit, da die Kinder sich aus eigenem Antrieb der Guerilla-Fraktion anschließen. Doch in Wirklichkeit gibt es verschiedene Faktoren, die sie zwingen, einen Weg aus ihrem bürgerlichen Leben einzuschlagen: Durch den seit nunmehr 40 Jahren anhaltenden Gewaltkonflikt innerhalb des Landes herrschen in der Bevölkerung Armut und Perspektivlosigkeit, es mangelt an Arbeitsplätzen und an Bildungsmöglichkeiten. Auch der Staat versäumt es, soziale und wirtschaftliche Probleme effektiv anzugehen und konzentriert sich stattdessen ausschließlich auf die Bekämpfung der Drogenkartelle. Die Guerillas hingegen bieten Geld und somit die Hoffnung auf ein besseres Leben an.

 

Programme wie Soldados por un día versuchen, den Minderjährigen spielerisch das militärische Leben näher zu bringen und sie gezielt zu einer Entscheidung für das Militär zu manipulieren. Allerdings wird auch die Zwangsrekrutierung praktiziert: Das ganze Land ist ständig auf der Flucht vor den drohenden Angriffen der Guerillatruppen, doch wollen viele der Familien mit der Flucht auch ihre Kinder schützen. Sobald Kinder das 12. Lebensjahr erreichen, stellen sie für die Guerillas und Paramilitärs „potenzielles Material“ dar, das „genutzt“ werden kann. Im letzten Jahr zwangsrekrutierten sie vor allem indigene Minderjährige, die sie vornehmlich zum Transport für Kriegsmaterialien benutzen.

 

Die Welle der Gewalt schlägt auch über die Grenzen Kolumbiens hinaus in die nördlichen Provinzen Ecuadors, Esmeraldas und Carchi. Auch hier werden Kinder von den Guerilla-Gruppen rekrutiert: Zunächst als sogenannte Raspachines (Kokablätterpflücker), doch werden sie dann systematisch zu Kriegern ausgebildet. Kinder aus ärmlichen Verhältnissen schließen sich auch aus monetären Gründen den Kampftruppen an. Zumeist verschwinden sie danach für immer. Auch in Venezuela wirbt die Guerilla unter den jungen Leuten um neue Anhänger.

 

Zwar wurde 2006 das „Gesetz 1098“ erlassen, das den Schutz der Kinderrechte in Kolumbien garantieren soll und ausdrücklich den Einsatz von Kindersoldaten untersagt, doch findet es wenig Beachtung unter den Guerillakämpfern. Gleichwohl entlassen Guerilla und Paramilitärs immer wieder mehrere Hundert Kinder aus ihrem Dienst, doch bleiben die Verantwortlichen für die Rekrutierung ungestraft.

Zaneta Weissbrich