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Weltsozialforum verwirft Leitidee einer "Green Economy"

Die Teilnehmer des Weltsozialforums verwerfen nach Angaben des Dachverbands deutscher Nichtregierungsorganisationen (VENRO) die Leitidee einer "Green Economy" für die UN-Nachhaltigkeitskonferenz in Rio. "Bereits jetzt werten viele Nichtregierungsorganisationen den Entwurf der zukünftigen Schlusserklärung als Durchmarsch der Wirtschaft", sagte der stellvertretende VENRO-Vorsitzende Jürgen Reichel gestern im brasilianischen Porto Alegre. Noch bis zum 29. Januar bereiten sich beim Sozialforum Aktivisten der Zivilgesellschaft aus aller Welt auf die UN-Konferenz "Rio+20" vor, die im Juni in Rio de Janeiro stattfinden wird.

Im Konzept einer "Green Economy" sähen Umweltaktivisten, Menschenrechtler, Entwicklungsorganisationen und indigene Völker "eine Umkehrung des Nachhaltigkeitsanliegens", sagte Reichel. "Das Interesse der Wirtschaft, sich Ressourcen anzueignen, hat sich in den Vordergrund geschoben." In Brasilien würden unter dem Schlagwort "Green Economy" die Nutzflächen für Soja- und Zuckerrohranbau ausgeweitet - mit katastrophalen Folgen für Boden, Wasser, Klima und die kleinbäuerlichen Kulturen, so Reichel.

Die Bundesrepublik müsse sich an ihren Zielen einer ökologisch und sozial nachhaltigen Politik messen lassen, forderte Reichel. "Deutschland hat die Energiewende eingeleitet, hält aber an den Hermes-Bürgschaften für den Atomkomplex ´Angra 3´ in Brasilien fest", kritisierte Reichel. Mit Empörung werde wahrgenommen, "dass die deutsche Entwicklungszusammenarbeit, die sich immer für Armutsbekämpfung eingesetzt hat, nun verstärkt auf Förderung der Wirtschaft ausgerichtet wird."

Quelle: KNA