Honduras |

Weitere Hinweise auf Söldnertruppen

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Katholischer Geistlicher vermutet hinter paramilitärischen Kämpfern den Auftrag der Micheletti-Regierung.

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Tegucigalpa. In Honduras mehren sich Hinweise darauf, dass paramilitärische Verbände aus anderen lateinamerikanischen Ländern die Übergangsregierung von Roberto Micheletti unterstützen. Der prominente Umweltaktivist und katholische Geistliche Andres Tamayo warf der Regierung in einem Interview mit dem kolumbianischen Radiosender RCN am Wochenende vor, der Einsatz paramilitärischer Kämpfer zähle zum "System der Unterdrückung".

Allein aus Kolumbien seien 40 schwer bewaffnete Kämpfer nach Honduras gekommen, so Tamayo. Ihm lägen zudem Berichte vor, dass auch Söldner aus mittelamerikanischen Staaten und Israel ins Land gekommen seien. Tamayo stützte damit Angaben der Vereinten Nationen, nach denen frühere Mitglieder paramilitärischer Organisationen aus Kolumbien für Honduras rekrutiert werden.

Micheletti wies die Vorwürfe als haltlos zurück. Die Regierung habe niemals jemanden beauftragt, Landsleute anzugreifen und werde dies auch niemals tun. Die katholische Kirche in Honduras hat derweil ihre Vermittlungsbemühungen verstärkt. Die honduranischen Bischöfe stellten am Wochenende ein "Projekt der Versöhnung" vor, das alle politischen Kräfte des Landes auffordert, die Werte der Demokratie zu schützen.

Ende Juni war der damalige Staatspräsident Manuel Zelaya abgesetzt und ins Exil gezwungen worden. Soldaten flogen ihn nach Costa Rica aus, weil er gegen das Parlament und das Oberste Gericht eine Verfassungsänderung per Volksentscheid durchsetzen und so seine Wiederwahl ermöglichen wollte. In der Zwischenzeit ist Zelaya nach Honduras zurückgekehrt und fand in der brasilianischen Botschaft Zuflucht.

Tamayo ist ein Unterstützer des gestürzten Präsidenten. Medienberichten zufolge hatte der aus El Salvador stammende Priester seine zweite, honduranische Staatbürgerschaft verloren, weil er sich an der Organisation von Demonstrationen für Zelaya beteiligt hatte. Zudem wurde er nach eigenen Angaben von seiner Pfarrei abberufen.

Text: KNA