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Weitere Entführung im Umkreis der Aktivistin Reyes Salazar

Acht schwer bewaffnete Männer sind am vergangenen Sonntagabend in Guadelupe, im Großraum der Stadt Ciudad Juárez (Bundesstaat Chihuahua), in das Haus der Familie Hernández eingedrungen und entführten die 39-Jährige Isela Hernández Lara vor den Augen ihre beiden Kinder und ihres Ehemannes.

Entführer auf der Suche nach Enkel von ermordeter Aktivistin

Isela Hernández gilt seit dem 14. August als vermisst. Es ist unklar, ob Paramilitärs oder Soldaten für die Entführung verantwortlich sind. Eine in lokalen Presseberichten zitierte anonyme Quelle aus der Familie Reyes Salazar erklärt, die Bewaffneten seien wahrscheinlich auf der Suche nach dem Enkel der im Januar 2010 ermordeten Aktivistin Josefina Reyes Salazar gewesen, um den sich Iselas Familie gekümmert hatte.

Josefina Reyes Salazar hatte nicht nur zehn Jahre lang die Frauenmorde in Ciudad Juárez angeklagt und ein lokales Menschenrechtskomittee gegründet. Sie prangerte auch die Verletzungen der Grundrechte seitens der mexikanischen Armee im Kampf gegen die Drogenkartelle an. Dafür war sie mehrfach mit dem Tod bedroht worden, schon 2009 wurde einer ihrer Söhne erschossen, berichtet der Pressedienst poonal.

Welle der Gewalt gegen die Familie

Nach dem Mord an Josefina Reyes Salazar war die Familie einer beispiellosen Mordserie ausgesetzt, bei der sechs Angehörige der Aktivistin umgebracht wurden, zudem wurden Brandanschläge auf Familie und Unterstützer verübt. Viele Angehörige sind mittlerweile aus der Stadt geflohen, noch immer werden Familienmitglieder vermisst.

Angesichts der neuesten Vorfälle haben laut lokalen Pressemeldungen weitere Mitglieder der Familie Salazar in den USA um Asyl gebeten.

Schutzlosigkeit der Betroffenen

"Alles, was mit uns in Verbindung steht, wird bedroht. Jede Organisation, jede Person, die uns helfen möchte wird schließlich bedroht. Das hinterlässt uns völlig schutzlos", zitiert die Online-Ausgabe der mexikanischen Tageszeitung "Milenio" Maricela Reyes, eine weitere Aktivistin der Familie, die selbst aus der Stadt Ciudad Juárez geflohen war. Die Ermittlungen der Behörden sind bisher zu keinen nennenswerten Untersuchungsergebnissen gekommen.

Die nordmexikanische Stadt Ciudad Juárez ist bereits seit vielen Jahren ein Synonym für Gewalt und tägliches Morden. Allein im Jahr 2010 sind über 3.000 Menschen in der 1,3 Millionen Einwohner zählenden Stadt an der Grenze zu den USA getötet worden. (bh)