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Weichen für "Tren Maya" gestellt

Indigene Gemeinden haben ihre Zustimmung für das umstrittene Eisenbahn-Projekt gegeben. Hinzu kommen Mehrheiten bei einer Volksbefragung in fünf Bundesstaaten – bei allerdings geringer Beteiligung der Bürger.

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Auch die Ruinen von Palenque in Chiapas sollen an der Strecke des Tren Maya liegen. Foto: Adveniat/Matthias Hoch

Vertreter der indigenen Völker in den Bundesstaaten Yucatán, Quintana Roo, Chiapas, Tabasco und Campeche haben dem Projekt „Tren Maya“, für viele Beobachter überraschend, geschlossen ihre Zustimmung erteilt. Die Regierung bemühe sich um die Einbindung der indigenen Völker, so die Vertreter. Man habe eigene Vorschläge eingebracht, wie sich das Infrastrukturprojekt noch verbessern lasse. Zuvor hatte die Bevölkerung sich auf Veranstaltungen und in Diskussionen zu dem Thema informieren können. Die Strecke soll gut 1.500 Kilometer lang werden und führt an Maya-Stätten vorbei. Das veranschlagte Investitionsvolumen beträgt rund sechs Milliarden Dollar, Privatinvestoren sollen ins Boot geholt werden. Die Bauarbeiten werden voraussichtlich im Frühjahr 2020 beginnen. 

Ziele: Tourismusförderung und Armutsbekämpfung

Neben Zügen, die den Güterverkehr abwickeln, sollen ab dem Jahr 2023 Millionen Passagiere an 15 Orte im Südosten Mexikos gelangen können. Die Regierung von Präsident Andrés Manuel López Obrador (AMLO) will außerdem den Ökotourismus fördern. Die neue Bahnstrecke soll pro Jahr drei Millionen Touristen befördern. AMLO hatte den Tren Maya in seinem Wahlkampf 2018 zu einem zentralen Anliegen erklärt. Da Präsidenten in Mexiko laut Verfassung nicht wiedergewählt werden können, will AMLO den Tren Maya bis zum Ende seiner Amtszeit 2024 realisieren. Das Projekt diene auch der Armutsbekämpfung in der am stärksten vernachlässigten Region Mexikos. AMLO selbst wurde in Tabasco geboren. 

Gegner des teuren Projekts argumentieren unter anderem mit zu befürchtenden Umweltschäden. Befürworter des Tren Maya halten dem entgegen, dass Zehntausende Arbeitsplätze geschaffen würden und das Projekt der Region einen wichtigen wirtschaftlichen Impuls gebe. Die indigenen Vertreter legen dabei  großen Wert darauf, dass ihre heiligen Stätten und die archäologischen Zonen geschützt werden. 

Bei Bürgerbefragungen in 84 Gemeinden der fünf Bundesstaaten, durch die der Tren Maya führen soll, gab es Mehrheiten für das Projekt - laut Regierung votierten insgesamt 92,3 Prozent mit Ja, bei allerdings geringer Beteiligung. Für Mexikos Regierung zählt freilich nur das grüne Licht für das Großprojekt. Die Opposition hat ihre Zweifel an der Gültigkeit der Volksbefragungen, es herrsche juristische Unklarheit. 

Studien als Entscheidungsgrundlage fehlten 

Auf entschiedenen Widerstand stößt der Tren Maya bei mehreren Gemeinden m Bundesstaat Campeche, da an der geplanten Strecke lebende Bewohner dem Eisenbahnlärm ausgesetzt wären. Kritiker bemängeln zudem, dass es keine Studien zu den potenziellen Auswirkungen auf Menschen und Umwelt gebe. Die betroffenen Menschen könnten jedoch nur dann eine fundierte Entscheidung treffen, wenn ihnen alle notwendigen Informationen vorlägen. Mexikos ehemaliger konservativer Präsident Felipe Calderón (2006 bis 2012)  sprach im vergangenen Jahr von einem drohenden „Ökozid“. Umweltschützer prangern an, dass die Bahnlinie ein Schutzgebiet durchtrennen würde, in dem etwa die Hälfte der 4.800 Jaguare Mexikos lebten. 

Befürchtet wird auch eine verschärfte Spekulation mit Land. Auf der anderen Seite hoffen indigene Vertreter darauf, dass mit dem Tren Maya auch soziale Fragen wie Gesundheit und Bildung, aber auch bessere Straßen, auf den Tisch kommen.