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Wann fällt das Embargo?

Nach dem Ende der Eiszeit zwischen Kuba und den USA lautet die Frage: Wann fällt das Embargo? Foto: picture-alliance/dpa/A. Ernesto
Nach dem Ende der Eiszeit zwischen Kuba und den USA lautet die Frage: Wann fällt das Embargo? Foto: picture-alliance/dpa/A. Ernesto

In Kuba ist die "Dollar-Revolution" ausgebrochen. Immer mehr amerikanische Unternehmen investieren auf der sozialistischen Karibikinsel, obwohl das seit 55 Jahren geltende Handelsembargo die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden Ländern untersagt.

So vereinbarte kürzlich der amerikanische Vermittler von Ferngesprächen IDT mit der staatlichen kubanischen Fernmeldegesellschaft Etecsa, direkte Telefongespräche zwischen den USA und Kuba anzubieten. Die Firma Netflix bietet einen Online-Filmverkauf für Kuba an. Und Kreditkarten großer Anbieter, die von US-Banken ausgestellt sind, sind auf der bereits als Zahlungsmittel akzeptiert.

Auch im Tourismus bahnt sich ein Boom an. Der Internet-Vermietungs-Marktplatz Airbnb will sein Angebot ausweiten und hat mittlerweile mehr als tausend Wohnungen auf Kuba gelistet. Und von Mai 2016 an dürfen nun auch Kreuzfahrtschiffe der US-Firma Carnival Corporation vor Kuba ankern.

Kultureller Austausch für Kreuzfahrer

Offiziell handelt es sich bei den Passagieren um Teilnehmer eines Programms zum "kulturellen, künstlerischen, religiösen und humanitären Austausch". Denn noch ist amerikanischen Touristen und Kreuzfahrern die Einreise nach Kuba aufgrund des Embargos verboten.

"Wir appellieren an den US-Kongress, so schnell wie möglich den Tag herbeizuführen, an dem amerikanische Touristen und Unternehmer mit ihren unmittelbaren Nachbarn Geschäfte machen können", erklärt James Williams, Vorsitzender der US-Organisation "Engage Cuba". "Das ist der beste Weg, um für unsere Werte zu werben und Perspektiven für Kubaner und Amerikaner gleichermaßen zu schaffen".

Nach Angaben von "Engage Cuba" würde das Ende des Handelsembargos den Warenexport von den USA nach Kuba auf jährlich über vier Milliarden US-Dollar anschwellen lassen. Der Verkauf von Dienstleistungen ließe sich auf bis zu 1,6 Milliarden Dollar jährlich steigern.

Zurzeit dümpelt der Warenaustausch zwischen den beiden Ländern laut US-Handelsministerium auf einem Niveau von rund 300 Millionen Dollar vor sich hin. Die Handelsströme verlaufen in nur eine Richtung: Die USA exportieren im Rahmen humanitärer Hilfe Nahrung und medizinische Güter nach Kuba.

Amerikas Agrarlobby macht Druck

Kuba importiert jährlich landwirtschaftliche Güter im Wert von über zwei Milliarden Dollar, weil die eigene Produktion nicht zur Ernährung der einheimischen Bevölkerung ausreicht. Diesen Markt will die amerikanische Agroindustrie nicht weiter der Konkurrenz aus Brasilien oder Vietnam überlassen und drängt deshalb ebenfalls auf ein Ende des Embargos.

Kubaexperte Bert Hoffmann ist sich sicher, dass von der "Annäherung an die USA ein kräftiger Wachstumsimpuls ausgehen wird". "Die Wall Street will ins Finanzgeschäft mit Kuba kommen; die Agrarstaaten des Mittleren Westens mögen zwar Republikaner wählen, aber sie wollen Reis und Mais exportieren", schreibt der Leiter des Berliner Büros vom Giga-Institut für globale und regionale Studien.

Auch wenn die politischen Abwehrgefechte noch eine Weile dauern: "Nicht der US-Präsident, sondern das Embargo erscheint immer mehr als lahme Ente", stellt Hoffmann klar. Es könne sich kaum jemand vorstellen, dass eine künftige US-Regierung, auch wenn sie von noch so konservativen Republikanern geführt werden sollte, Google und MasterCard das Kuba-Geschäft wieder verböte.

 

Kubas Binnenmarkt wächst

Bereits jetzt sind die in die USA emigrierten Kubaner ein Motor der kubanischen Wirtschaft. Ihre Überweisungen an die Verwandten auf der Insel sind mit geschätzt mehr als zwei Milliarden US-Dollar pro Jahr eine der wichtigsten Devisenquellen Kubas. Damit nicht genug: Sie sorgen für eine wachsende Nachfrage und Kaufkraft auf dem kubanischen Binnenmarkt in Dollar.

Für Hoffmann steht die Insel angesichts der zu erwartenden Dollarflut vor einer sozialen Zerreißprobe. "Die kubanische Auslandsgemeinde ist ganz überwiegend weiß. Schwarze Kubaner haben an den Devisen-Zuflüssen kaum Anteil", beobachtet er. Die Dollars könnten dazu beitragen, dass "die von der Revolution erreichte weitgehende Gleichheit sich in raschem Tempo zurückdreht".

Autor: Astrid Prange
Quelle: Deutsche Welle

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